…bei Martin Schmid, Freundeskreis St. Willibald. © Weber
Jesenwang im Kreis Fürstenfeldbruck hat eine internationale Besonderheit zu bieten. Seit 1712 findet dort der Willibaldsritt statt, diesmal am 5. Juli. Dabei durchqueren Hunderte Pferde die Wallfahrtskirche St. Willibald durch die zwei Seitentore. Seit 2020 ist der Ritt Immaterielles Kulturerbe. Wer die Pferdeäpfel aus der Kirche beseitigt und was die „Toten Hosen“ mit dem Ganzen zu tun haben, erzählt Martin Schmid, der Vorsitzende des Freundeskreises St. Willibald.
Herr Schmid, was hat es mit dem Willibaldsritt auf sich?
Anfang des 18. Jahrhunderts hat rund um Jesenwang eine Pferdeseuche grassiert. Viele Pferde und auch Rinder sind daran gestorben. Aus kirchlichen Verlöbnisbüchern wissen wir, dass zwischen 1709 und 1745 viele verzweifelte Menschen nach Jesenwang gekommen sind und den Heiligen Willibald um Hilfe gebeten haben. Für damalige Verhältnisse sind die Menschen von sehr weit her gekommen. Der am weitesten entfernte Ort, den wir nachweisen können, ist Unterbrunn am Starnberger See, knapp 30 Kilometer entfernt.
Und was haben die Jesenwanger damals gemacht?
Die haben 1712 ein Gelübde abgelegt, dass sie jedes Jahr den Willibaldsritt durchführen werden, wenn ihr Vieh von der Seuche verschont bleibt. Das hat funktioniert, kein Tier ist krank geworden. Seitdem gibt es den Willibaldsritt. Wir sind meines Wissens die Einzigen in Europa, die einen solchen Ritt quer durch die Kirche hindurch haben.
Wie läuft der Willibaldsritt heute ab?
Vergangenes Jahr hatten wir insgesamt 250 Pferde dabei, einige sind extra aus Baden-Württemberg, Franken und Niederbayern gekommen. Die allermeisten kommen aber aus dem Umkreis, viele Mitwirkende kommen im Sattel. Dann sind diesmal noch 40 Pferdeanhänger dabei, 15 Kutschen und Gespanne und 220 Einzelreiter. Dazu kommen zwei Esel und mindestens eine Kuh. Bevor die Pferde durch die Kirche laufen, werden sie vom Pfarrer, der an der Seitentür auf einem Podest steht, mit Weihwasser gesegnet. Schmale Gespanne können durch die Kirche fahren, die größeren sowie die Kutschen müssen um die Kirche herumfahren. Am Kastanienhain gibt es noch eine Allgemeinweihe. Zuschauer haben wir meist um die 3000.
Bekannt ist die Willibaldskirche auch durch die „Toten Hosen“ geworden.
1983 haben sie ihr Musikvideo zu „Eisgekühlter Bommerlunder“ in der Kirche gedreht. Sie haben seriös angefragt, um einen „Hochzeitsfilm“ zu drehen. Dass es um Punk-Hochzeiten mit Saufgelage ging, wusste ja niemand. Danach musste die Kirche neu geweiht werden. In den 2000ern ist das Video wieder aus dem Archiv gezogen worden. Seitdem haben wir alle zehn Jahre zum Jahrestag des Videodrehs einen kleinen Medienrummel.
Wer räumt eigentlich die Pferdeäpfel aus der Kirche weg?
Das macht die Mesnerin. Das sind aber meist nur zwei Schaufeln voll. Die meisten Pferde ahnen offenbar, dass man sein Geschäft nicht unbedingt in einer Kirche verrichten sollte.