Nach der Hitze des Tages wurde der Tegernsee in Gmund am Freitagabend zum Lichtermeer aus Kerzenbooten und Fackelschwimmern. Viele sprangen zur Abkühlung ins warme Wasser. © Bettina Eck
München – Die erste große Hitzewelle des Jahres hatte Bayern am Wochenende fest im Griff. Mit Rekordtemperaturen von mehr als 40 Grad gehörte sie zu den außergewöhnlichsten Juni-Hitzeereignissen der vergangenen Jahre. Besonders heiß wurde es in Franken.
Neue Rekorde im Freistaat
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) maß im unterfränkischen Kitzingen an zwei Tagen hintereinander 40,8 Grad Celsius – so viel wie noch nie zuvor in Bayern. Am Sonntag wurde es im Norden des Freistaats erneut bis zu 40 Grad heiß, in Südbayern bis zu 39 Grad.
Der DWD warnte vor einer starken, örtlich sogar extremen Wärmebelastung. Gleichzeitig stieg die Waldbrandgefahr in manchen Teilen Bayerns auf die höchste Gefahrenstufe 5. Für viele Regionen galt außerdem eine Warnung vor intensiver Sonneneinstrahlung.
Blitze sorgen für Bahnprobleme
Im Raum Kaufbeuren war der Zugverkehr nach Blitzeinschlägen am Sonntagmittag kurzzeitig beeinträchtigt. Züge zwischen Buchloe und Günzach fuhren nur mit verminderter Geschwindigkeit. Es kam zu Verspätungen sowie kurzfristigen Teil- und Zugausfällen.
Waldbrände und Hitzeschäden
Die anhaltende Trockenheit sorgt für erhöhte Waldbrandgefahr. Am Samstag brannte im Kreis Schwandorf bei Pfreimd ein Wald auf rund 8000 Quadratmetern, bei Stulln weitere 7000 Quadratmeter. Am Sonntag kam es im Manteler Forst (Kreis Neustadt an der Waldnaab) zu einem Feuer auf etwa 25.000 Quadratmetern.
Auch der Verkehr litt unter der Hitze. Nürnberg stellte am späten Samstagabend den Straßenbahnbetrieb ein. Der Straßenbelag war an mehreren Stellen so weich geworden, dass die Bahnen nicht mehr sicher fahren konnten. Ersatzweise wurden Busse und Taxis eingesetzt. Die Sperre sollte mindestens bis in die Nacht zum heutigen Montag andauern.
Auf der A93 zwischen Weiden-Süd und Luhe-Wildenau blieb wegen aufgeplatzter Fahrbahn, sogenannter „Blow-ups“, ein Fahrstreifen gesperrt. Reparaturen waren außerdem auf der A9 bei Ingolstadt in beiden Fahrtrichtungen nötig.
Zwei Menschen sterben beim Baden
Die hohen Temperaturen lockten am Wochenende viele Menschen an die bayerischen Seen. Die Forststraße am Südufer des Walchensees wurde bereits vormittags wegen Überfüllung gesperrt.
Im Starnberger See starb am Freitagnachmittag ein 23 Jahre alter Mann aus Georgien. Er war mit einem Bekannten auf einem Boot unterwegs, sprang ins Wasser und ging kurz darauf unter. Trotz eines Großeinsatzes mit Rettungshubschrauber konnten Taucher ihn erst rund zweieinhalb Stunden später bergen. Die Kriminalpolizei geht von einem tragischen Badeunfall aus.
Auf dem Chiemsee starb am selben Tag ein 68-jähriger Mann aus der Schweiz. Er wollte von einem Elektroboot aus schwimmen gehen und geriet dabei aus bislang ungeklärter Ursache ins Wasser. Einsatzkräfte fanden ihn nur noch leblos. Auch hier gehen die Ermittler nach bisherigem Stand von einem Unglücksfall aus.
Ventilatoren werden Mangelware
Die Hitze sorgte für einen Ansturm auf Ventilatoren und mobile Klimaanlagen. Auf dem Online-Marktplatz Kleinanzeigen vervielfachten sich Angebot und Nachfrage innerhalb weniger Tage.
Deutschlandweit stiegen die Suchanfragen nach Klimaanlagen von rund 118.000 auf fast 2,5 Millionen. Nach Ventilatoren wurde mehr als 1,2 Millionen Mal gesucht.
Auch im Handel machte sich der Ansturm bemerkbar. Einzelne Elektrohändler meldeten ausverkaufte Lager und Wartezeiten von mehreren Wochen.
In vielen Suchanzeigen schilderten Menschen ihre Not. Eltern suchten dringend Ventilatoren für ihre Kinder, andere baten um Spenden für Senioren oder Tiere, die unter der Hitze litten. Wetterlagen hätten nach Angaben des Online-Marktplatzes regelmäßig einen spürbaren Einfluss auf das Suchverhalten der Nutzer.
Zum Wochenbeginn folgt die Abkühlung
Zum Wochenstart macht die Sonne eine Pause. Der Montag beginnt dem DWD zufolge mit starker Bewölkung, viel Regen und örtlich auch kräftigen Gewittern. Es bleibt sommerlich warm, aber im Vergleich zum Wochenende deutlich kühler. Die Höchstwerte liegen demnach in Südbayern zwischen 26 und 32 Grad, in Nordbayern bei 26 bis 31 Grad.
Am Dienstag kann es nach der Vorhersage ab mittags wieder Schauer und Gewitter geben. Es wird schwülwarm bei maximal 25 bis 31 Grad. Erst am Mittwoch könnte es nach DWD-Angaben flächendeckend Regen in Bayern geben – und vermutlich dann endlich richtige Abkühlung.TSR