Ilse Aigner, Präsidentin des Landtags. © Thomas Plettenberg
Ilse Aigner, heute Präsidentin des Landtags, war von 1998 bis 2013 Mitglied des Bundestags und unter Angela Merkel von 2008 bis 2013 Bundeslandwirtschaftsministerin. Daheim spricht die 61-Jährige Bairisch.
Frau Aigner, wie halten Sie es mit dem Dialekt: Wann und wo wird er ausgepackt?
Daheim bei mir, mit Familie und Freunden. Aber natürlich auch überall dort, wo Bairisch geredet wird. Bairisch ist meine Muttersprache. Aber natürlich prägt einen auch das Umfeld, und ganz automatisch passt man die Sprache dem Gegenüber an – allein, um verstanden zu werden. Das heißt ganz konkret: Wenn ich Bairisch rede, mache ich das nicht strategisch. Das passiert ganz natürlich, wenn mein Gegenüber zum Beispiel auch Dialekt spricht.
Unterscheidet sich Ihre Sprache daheim vom Auftritt im Landtag oder vielleicht künftigen Einsätzen als Bundespräsidentin?
Als Landtagspräsidentin halte ich Reden natürlich eher auf Hochdeutsch – je nach Situation kann es aber vorkommen, dass ich dann mal mehr oder weniger in leichten Dialekt verfalle. Im politischen Berlin hatte ich mir das als Bundeslandwirtschaftsministerin natürlich eher abgewöhnt. Sonst hat man schnell in sehr verwirrte Gesichter geschaut.
Sind Sie für Ihren Dialekt schon mal belächelt worden?
Belächelt wurde ich dafür höchstens mal in Berlin. Und da habe ich – wohlgemerkt aus meiner Sicht – schon Hochdeutsch geredet. Die südliche Sprachfärbung hört man aber halt immer, das ist auch in Ordnung so.
Haben Sie ein Beispiel in Erinnerung, wobei Ihnen Ihr Dialekt als Politikerin „geholfen“ oder „geschadet“ hat?
Geholfen hat mir der Dialekt eindeutig dabei, mit der Bairischen Sprachwurzel ausgezeichnet zu werden. Außerdem kann man das eine oder andere im Dialekt auch einfach charmanter ausdrücken. Noch ein tolles Erlebnis: Als ich mir im Jahr 2006 den Kinofilm „Wer früher stirbt, ist länger tot“ in Berlin angeschaut habe, konnte ich früher lachen, weil ich nicht auf die Untertitel angewiesen war. Wirklich geschadet hat mir der Dialekt nie.
Würden Sie Politiker ermuntern, Dialekt zu sprechen?
Aus meiner Sicht ist es entscheidend, nicht künstlich und strategisch zu sprechen, sondern authentisch zu sein. Darum kann ich da keine Empfehlung aussprechen.