Schwimmmeister dringend gesucht

von Redaktion

Bayernweiter Personalmangel am Beckenrand: Lenggries lockt mit kurioser Internet-Aktion

Den Sprungturm im Blick: Ein Schwimmmeister in einem Nürnberger Freibad. Viele Kommunen haben jedoch Probleme, Personal zu finden. © Daniel Karmann/dpa

München – Ein kurzer Anlauf, zwei Arschbomben – und schon sind Stefan Klaffenbacher, Bürgermeister aus Lenggries, und Bäderreferent Anton Leeb im Wasser. Den Sprung ins Becken haben die beiden allerdings nicht gewagt, um sich bei der Hitze abzukühlen. Er hat einen ernsteren Hintergrund: Mit einem Instagram-Video will die Gemeinde Mitarbeiter fürs Hallen- und Freibad anwerben. Schon seit eineinhalb Jahren sucht sie einen Bäderleiter. „Es gibt kaum Bewerber“, sagt Klaffenbacher.

So wie der Gemeinde Lenggries geht es vielen Badbetreibern in Bayern. „Die Personalsituation ist in vielen bayerischen Schwimmbädern angespannt“, bestätigt Ralf Großmann. Der 50-Jährige ist Meister für Bäderbetriebe und Sprecher des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister. „Die Folgen merken die Badegäste bereits heute: verkürzte Öffnungszeiten, Schließtage oder Bereiche, die nicht betrieben werden können.“ Seine Befürchtung: „Sollte sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen, werden die Einschränkungen zunehmen“, sagt er. Das würde nicht nur die Freizeit, sondern auch den Vereinssport und den Schwimmunterricht betreffen.

Die Gründe für die Personalnot sind vielfältig. Zum Job gehören oft Schichtdienst und Arbeit an Wochenenden und Feiertagen. Zudem würden viele Jugendliche die Ausbildung zum „Fachangestellten für Bäderbetriebe“ gar nicht kennen, so Großmann. Und: „Die Verantwortung in unserem Beruf ist enorm“, berichtet er.

Ein Ansatz könne deshalb sein, dass nur noch Kinder und Jugendliche mit bestandenem bronzenem Schwimm-Abzeichen alleine ins Freibad dürfen. „Ein Bronze-Abzeichen ist zwar keine Garantie für Sicherheit, zeigt aber, dass ein Kind grundlegende Schwimmfähigkeiten und Baderegeln beherrscht“, erklärt Großmann. „Dadurch könnten gefährliche Situationen reduziert und das Bäderpersonal entlastet werden.“

Und: „Ein entscheidender Punkt ist auch die Bezahlung“, betont Großmann. „Wer qualifizierte Fachkräfte gewinnen und langfristig halten möchte, muss attraktive Gehälter, gute Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten bieten“, fordert er. Derzeit betreffe das Personalproblem Bäder in ganz Bayern – doch es gibt regionale Unterschiede. Vor allem in ländlichen Regionen sei die Situation schwieriger, so Großmann.

Doch auch in München wurden aus Personalgründen im Müller’schen Volksbad kürzlich die Öffnungszeiten verkürzt, Badegäste sammeln Unterschriften dagegen (wir berichteten). Trotzdem ist die Personalsituation in den Bädern der Stadt „aktuell insgesamt stabil“, wenn auch „herausfordernd“, so die Stadtwerke München. „Im Vergleich zu früheren Jahren beobachten wir, dass es tendenziell anspruchsvoller geworden ist, qualifiziertes Personal zu gewinnen“, berichtet ein Sprecher. Heuer sei es aber gelungen, vor der Freibadsaison alle wichtigen Stellen zu besetzen.

In Parsberg im Kreis Neumarkt in der Oberpfalz ist man diese Saison ebenfalls erleichtert. Vergangenen Sommer sind sogar Bürgermeister Josef Bauer und sein Geschäftsleiter Stefan Schmidmeier eingesprungen und haben die Badaufsicht übernommen. „Heuer haben wir zum Glück den Personalbedarf vollkommen abdecken können“, sagt Schmidmeier.

Schwimmmeister Ralf Großmann arbeitet auch nach 30 Jahren noch immer gerne im Bad: „Was mir an meinem Beruf besonders gefällt, ist die Mischung aus Verantwortung und Menschlichkeit“, sagt er. Und: Zu erleben, wie Kinder die Angst vor dem Wasser verlieren und Menschen das Schwimmen lernen, ist für ihn noch immer „ein schönes Gefühl“.CLAUDIA SCHURI

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