Macht den Tank noch einmal voll: Mustafa Gülfidan (21) in München. © SIGI JANTZ
München – Montag, 11 Uhr – an der Süd-Treibstoff-Tankstelle in München-Untergiesing stehen die Autos Schlange. Ja, heute ist besonders viel los, stellt Betreiber Ersin Öner (38) fest. Das dürfte kein Zufall sein. Viele wissen, dass am Mittwoch der Tankrabatt endet. Und so früh wie möglich vollzutanken könnte sich lohnen. Öner beobachtet nämlich: „Seit letzter Woche gehen die Preise wieder rauf“.
Seit 1. Mai gilt der vergünstigte Energiesteuersatz für Benzin und Diesel, der eine rechnerische Entlastung von 17 Cent pro Liter bringen sollte. Die Bundesregierung hatte damit auf die stark gestiegenen Preise infolge des Iran-Kriegs reagiert. Doch diese Regelung läuft zum Monatsende aus. „Die Preise gehen dann wahrscheinlich um 17 Cent rauf“, sagt Öner. Er vermutet aber, dass das nicht auf einen Schlag passiert, sondern in kleinen Schritten auch schon vorab. Auch der ADAC nimmt an, dass schon heute die Preise an einigen Zapfsäulen nach oben gehen. Das hänge mit der 12-Uhr-Regel zusammen. Denn die Preise dürfen nur noch einmal am Tag zur Mittagsstunde erhöht werden.
An der Allguth-Tankstelle an der Chiemgaustraße in München stiegen die Preise am Montagmittag um 20 Cent. Dort steht Azubi Mustafa Gülfidan und tankt voll. Der 21-Jährige wünscht sich mehr Entlastung. Ohne seinen Nebenjob wüsste er nicht, wie er seine Tankladung zahlen soll, sagt er. Eine Zapfsäule weiter steht Taxifahrer Ali Hassan. Er muss für seine Fahrgäste immer mit genügend Sprit bereitstehen. Mittlerweile zahle er 100 Euro statt 60 Euro für eine Tankfüllung. Auch Gertraud Hutter (71) braucht ihr Auto täglich, obwohl sie ihre Fahrten bereits auf ein Minimum reduziert hat. Sie könne nicht mehr einsparen und wäre froh, wenn es den Tankrabatt weiter geben würde. Trotzdem hat sie Verständnis: „Die Politik hat auch ganz schön zu kämpfen“. Kitas und Schulen müssten ja auch finanziert werden. Elektriker Thomas Rankl (59) erzählt, er und seine Kollegen tanken an diesem Montag alle Dienstfahrzeuge noch mal voll. Für ein „Totalversagen der Politik“ hält er den Tankrabatt. „Die hätten lieber die CO₂-Steuer absetzen sollen, dann wäre die Entlastung auch eher bei den Verbrauchern angekommen.“
Tatsächlich kam der Tankrabatt nicht vollständig an. Das Münchner Ifo-Institut untersuchte die Entlastung und fand heraus: Beim Diesel seien durchschnittlich nur 12 Cent pro Liter weitergegeben worden. Bei Super E5 und E10 seien die Werte mit 17 und 16 Cent hingegen sehr nah an der Steuersenkung. Die Monopolkommission rechnet damit, dass etwa 100 bis 200 Millionen Euro nicht bei den Verbrauchern angekommen sind.
Aber müsste der Kraftstoff nicht noch ein paar Tage günstiger bleiben? Schließlich hieß es bei der Einführung ja auch, dass erst noch die bereits gekauften Lieferungen abgegeben werden.
Christian Amberger, Inhaber und Geschäftsführer der Allguth GmbH, macht den Autofahrern da wenig Hoffnung. „Der Kraftstoff, der sich noch zu den günstigeren Konditionen in den Tanks befindet, wird bis 12 Uhr voraussichtlich weitgehend abverkauft sein.“MTW, LHA