Johann Korntheuer aus Endlhausen. © Sabine Hermsdorf-hiss
Endlhausen ist ein kleiner Ort. 650 Einwohner, eine Pizzeria, ein paar Geschäfte. Und eine schillernde Vergangenheit. Denn im 17. und 18. Jahrhundert pilgerten tausende Menschen zur Pfarrkirche St. Valentin. Johann Korntheuer hat ein 300 Jahre altes Andachtsbüchlein wiederentdeckt, das spannende Details über das einstige Wallfahrtswunder von Endlhausen verrät. Für einen Hobbyhistoriker wie ihn ist das natürlich ein absoluter Glücksfall. Herausgegeben hatte das Büchlein 1726 der damalige Pfarrer Johann Joseph Freiherr von Lerchenfeld. Und der interessierte sich besonders für die Geschichte des heiligen Valentin von Terni, dessen Vita schon im 5. oder 6. Jahrhundert schriftlich notiert worden war. Das Andachtsbüchlein war offenbar im Zuge der Säkularisierung verloren gegangen. Vor 20 Jahren tauchte es wieder in den Archiven des Erzbistums auf. Und es liefert Gründe dafür, warum so viele Menschen nach Endlhausen pilgerten. Der Heilige war als Arzt und Medicus bekannt. Er soll die Gabe gehabt haben, insbesondere die „hinfallende Krankheit“ – gemeint ist Epilepsie – zu heilen. Doch weil sich die Geheilten dem christlichen Glauben zuwandten und sich taufen ließen, wurde Valentin vor Gericht gestellt und dem Martertod hingegeben. Seine Legende wurde über die Jahrhunderte verbreitet. „Wenn jemand in Not geriet, erkrankt war oder krankes Vieh hatte, rief man den heiligen Valentin mit Fürbitten bei Gott an“, erzählt Korntheurer. „Und wenn das gewirkt hat, ist man am 14. Februar nach Endlhausen gepilgert.“ Dort gaben die Gläubigen Votivgaben ab und trugen die erlebten Wundertaten in ein Mirakelbuch ein. „Im Jahr darauf wurden die Wunder verkündet.“ Davon ist nur noch eines erhalten, erklärt der Historiker. Aber es lässt die Dimension des Wallfahrtsorts erahnen. „In 13 Jahren sind 1867 Eintragungen von über 500 Familien erfolgt. Das kann man sich gar nicht vorstellen“, sagt er und schüttelt den Kopf.
Bis zum Neubau der Pfarrkirche im 18. Jahrhundert hielt der Pilgerstrom nach den Recherchen Korntheuers an. Dann brach er ab. In der neuen Kirche wurde statt des alten Gnadenbilds, das Valentin von Terni mit einem Kreuz in der Hand zeigte, eine Figur von Valentin von Rätien in den Hochaltar eingefügt – er hielt ein Buch in der Hand. Der war zwar ebenfalls ein Helfer gegen Epilepsie, aber kein Märtyrer. Valentin von Terni war durch das Kreuz als einer in der Nachfolge Christi gekennzeichnet. Das Buch deutet lediglich auf einen Bekenner hin, erklärt Korntheuer. Erst bei der jüngsten Renovierung wurde das Kreuz wieder eingefügt. Aber es war bereits zu spät, sagt Korntheuer. „Es wurde kein Wunder mehr in ein Mirakelbuch eingetragen.“JONAS NAPILETZKI