Der Englische Garten vom Ammersee

von Redaktion

Schacky-Park: Dießener Förderkreis erhält Denkmalschutzmedaille – „Arbeit geht nie aus“

Der Erbauer: Ludwig Freiherr von Schacky auf Schönfeld.

Jagd-Göttin: Die Diana-Statue ist nach Vorlage historischer Fotos gegossen worden. Das Knie ist original. © picture alliance

Den Förderkreis Schacky-Park gibt es nunmehr seit 20 Jahren. Hier feiert ein Teil der Truppe am Entenhaus.

Der Englische Garten hat eine kleine Schwester am Ammersee: Hier treten die Alphornbläser nicht am Monopteros in München auf, sondern im Schacky-Park in Dießen. © Privat (4)

Dießen – Es ist wie im Märchen. Jahrzehnte schlummert die marmorne Göttin Diana, umringt von Erde, Grün und Wurzelwerk. Apollos Brunnen dürstet nach Wasser. Der Zahn der Zeit nagt am Teehaus und Monopteros, dem achteckigen Tempel, der eigentlich einen spektakulären Blick in die Berge kredenzt. In Dießen am Ammersee halten 18 Hektar Dornröschenschlaf, bis eine wilde Truppe 2006 beschließt, den Schacky-Park wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen. Wie im Märchen läuft das damals freilich nicht. Kein Zauberer verwandelt den Urwald im Nu in ein strahlendes Denkmal. Gut ein Dutzend Fantasten greifen stattdessen zu Schaufeln und Sensen. Der Förderkreis Schacky-Park bahnt sich Wege durch Dickicht und hohes Gras: Der einst so prunkvolle Paradiesgarten soll bald wieder Spaziergänger begrüßen.

Christine Reichert war 14 Jahre Vorsitzende des Förderkreises. „Da herrschte eine wahnsinnige Aufbruchsstimmung: Jeder wollte alles machen“, erzählt die 75-Jährige. Doch es brauchte auch Experten, um den Park gekonnt aus dem Dornröschenschlaf wachzuküssen: „Wer ein verfallenes Denkmal in einem Landschaftsschutz wiederbeleben will, braucht Fachleute für Kunstgeschichte, Restauration und Gartenbau. Das Denkmalpflegeamt hat uns fachlich und finanziell unterstützt.“

Nun haben Kunstministerium und Landesamt für Denkmalpflege den Förderkreis Schacky-Park und 15 weitere Preisträger mit der Denkmalschutzmedaille geehrt. „Bayerns Denkmäler haben viele Schutzengel“, sagte Kunstminister Markus Blume gestern beim Festakt. „Sie bewahren mit Leidenschaft, Ausdauer und oft jahrelangem Einsatz und zeigen, wie viel Herzblut, Verantwortungsbewusstsein und Tatkraft in der Pflege unserer Kulturdenkmäler steckt.“

Über jedes gerettete Kunstwerk, ja jede Ecke im Schacky-Park kann Christine Reichert abenteuerliche Geschichten erzählen. Der Delfin-Brunnen wird 2006 renoviert. Das Teehaus, das früher am Ende des Kutschwegs lag und Ziel der Herrschaften für nachmittägliches Geplauder war, folgt. Dann das Entenhaus und der Monopteros. Die Dießner Feuerwehr baut die hölzerne Rialto-Brücke nach. Schließlich wird Diana, die seit jeher am höchsten Punkt des Wegekreuzes einen Pfeil aus ihrem Köcher zieht, neu gegossen. Historische Fotos dokumentieren, wie die Skulptur mal ausgesehen haben muss. Nur ein Knie ist erhalten.

800 Mitglieder hat der Förderkreis heute. Das Großprojekt finanziert sich nicht nur durch deren Jahresbeiträge sowie Baum- und Nistkastenpatenschaften, auch durch Konzerte und andere Veranstaltungen nimmt der Förderkreis Geld ein. Dazu kommen projektbezogene Förderungen: Am Wochenende steigt etwa eine Feier am Monopteros. Ein Steinbildhauer konnte dank eines historischen Fotos das Kapitell einer Säule rekonstruieren. Die Förderkreis-Detektive haben die passende Marmorrundbank im Kloster der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul ausfindig gemacht. „Die Vinzentinerinnen hatten das Anwesen ab 1933 als landwirtschaftliche Fläche genutzt – und 1942 zum Glück sogar den Bau einer Munitionsfabrik auf dem Gelände verhindert“, erzählt Reichert. „Als sie ihre Klosterökonomie 2003 aufgaben, wurde der Park aufgeteilt: Den Westteil pachtete der Reitverein Dießen, die neun Hektar im Osten wurden für 30 Jahre an den Markt Dießen verpachtet, der den Park in die Hände des Förderkreises legte. Seitdem geht die Arbeit nie aus.“

Dass Besucher hier heute einen Monopteros wie im berühmten Englischen Garten von München bestaunen, ist übrigens kein Zufall. Der Königliche Kämmerer Ludwig Freiherr von Schacky auf Schönfeld (1849-1913) und Gattin Julia bewohnten um die Jahrhundertwende ein Palais an der Prinzregentenstraße – mit Blick ins grüne Paradies. Also ließen sie 1905, 42 Kilometer Luftlinie entfernt, an ihrem Sommersitz am Ammersee diese Mini-Version erbauen.CORNELIA SCHRAMM

Park-Führungen

jeden zweiten Samstag im Monat (15-17 Uhr). Treffpunkt: Vogelherdstraße 2. Bis Oktober hat der Park täglich (8-20 Uhr) geöffnet. Infos: www.schacky-park.de

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