15.000 Gläubige versammeln sich zu dem Freiluftgottesdienst in der Schweiz. © Zingaro/dpa
Bischof de Galarreta (M) auf dem Weg zur Weihezeremonie in Ecône. © Baz Ratner/dpa
Der Regens des bayerischen Priesterseminars Zaitzkofen, Pascal Schreiber, wird im Rahmen seiner Bischofsweihe gesalbt. © Baz Ratner/dpa
Écône/Zaitzkofen – Die Menschen knieten auf steinigen Feldwegen im schweizerischen Wallis und empfingen den Segen der neu geweihten Bischöfe der Piusbruderschaft. Von vier Bischöfen, die nicht den Segen der katholischen Kirche haben – denn der Papst hatte die Weihe in Écône ausdrücklich verboten. Es war ein Akt offenen Ungehorsams gegenüber Leo XIV. Mehr als 15.000 Gläubige wohnten der illegalen Weihe bei. Dort hat die erzkonservative „Priesterbruderschaft Sankt Pius X.“ ihren Hauptsitz. Der Vatikan hatte die Weihe nicht erlaubt, weil die Piusbrüder grundlegende Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–65) nicht anerkennen.
Vor tausenden aus aller Welt angereisten Anhängern weihte Bischof Alfonso de Galarreta vier Männer zu Bischöfen, darunter den Schweizer Pascal Schreiber. Er ist Leiter des Priesterseminars der Bruderschaft in Zaitzkofen bei Regensburg. Die Messfeier wurde auch als Onlinestream in sechs Sprachen übertragen. Weltweit haben die Piusbrüder nach eigenen Angaben rund 600.000 Anhänger.
Über sechs Stunden dauerte die Feier im Rahmen eines Freiluftgottesdienstes, der nach dem alten, tridentinischen Messritus in lateinischer Sprache gehalten wurde. Die Piusbrüder lehnen die moderne Liturgie ab. Eine ohne päpstliche Erlaubnis vollzogene Bischofsweihe zieht nach Kirchenrecht die automatische Exkommunikation der Beteiligten nach sich – also der neuen Bischöfe Pascal Schreiber, Michael Goldade, Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier ebenso wie der weihenden Bischöfe de Galarreta und Bernard Fellay.
Der automatische Kirchenbann konnte die Entschlossenheit der Piusbrüder nicht stoppen. „Diese Zeremonie soll ein Glaubensbekenntnis sein“, sagte der Generalobere Davide Pagliarani. Man habe die Pflicht, den Glauben zu bewahren, so wie ihn die „Kirche immer gelehrt hat“. Mit aller Entschiedenheit wurde die schismatische Feier zelebriert. Man werde sich nicht verbiegen oder vor der Welt verneigen. Viele Feinde würden versuchen, auf die neuen Bischöfe einzuwirken, „sich der Welt anzupassen“. „Seien Sie auf der Hut vor den Fallstricken der Welt“, gab der Obere den neuen Bischöfen mit auf den Weg. Und: Jede Strafe und jeden Tadel, die gegen diesen Schritt verhängt werden, betrachte man als ungültig. Geduld und Durchhaltevermögen bewiesen die Gläubigen nicht nur in Bezug auf die Dauer der Messfeier – auch ein heftiges Gewitter mit Wolkenbruch konnte die Anhänger der Bruderschaft nicht verschrecken.
Es wurde erwartet, dass Papst Leo XIV. den Rauswurf im Anschluss bestätigen würde. Offiziell begründet die auf Erzbischof Marcel Lefebvre zurückgehende Bruderschaft die Weihen mit einer „Notsituation“. Vor der Weihe waren nur noch zwei der Bruderschaft nahestehende Bischöfe am Leben, die Priester weihen können. Die Weihe der vier neuen Bischöfe soll also das Überleben der Bruderschaft mit ihren derzeit mehr als 700 Priestern garantieren.
Im Zentrum der Weltanschauung der Mitglieder steht die Feier der tridentinischen Messe, wie sie vor dem Konzil üblich war. Priester und Seminaristen tragen lange schwarze Soutanen, die Anhänger pflegen einen streng konservativen, auf der traditionellen Familienordnung aufbauenden Lebensstil. Die Bruderschaft lehnt die liberale Demokratie und Säkularismus ab.CM/JMM