Auf einer Bergwiese im Schweizer Wallis wurde gestern Kirchengeschichte geschrieben: Mit der Weihe von vier Bischöfen, die der Papst verboten hatte, haben sich die Bischöfe der Piusbruderschaft automatisch die höchste Kirchenstrafe zugezogen. Sie sind exkommuniziert: aus der katholischen Kirche ausgeschlossen.
Es ist ein trauriges Kapitel Kirchengeschichte, das sich gestern ereignet hat. In seiner Predigt machte der Generalobere deutlich, dass es gar kein Interesse an Versöhnung seitens der Traditionalisten gibt. Im Gegenteil: Don Davide Pagliarani stellte die Bruderschaft als eine Gemeinschaft der Märtyrer dar, die wegen ihrer Verteidigung des wahren, unverfälschten Glaubens verfolgt werde.
Die Piusbrüder drehen die Argumentation des Vatikans komplett um. Man werfe ihnen vor, dass sie den Papst nicht respektierten. In Wahrheit aber könnten sie es nicht ertragen, dass der Papst durch falsche Bischöfe an seiner Seite „gedemütigt“ werde. Sie stellen sich als die Auserwählten dar, die jeden Preis dafür zu zahlen bereit sind, die „Mutter Kirche“ zu retten.
Nach diesem 1. Juli 2026 ist klar, dass die selbst gewählte Abspaltung der Piusbrüder keine Episode ist wie in der Vergangenheit. Dass eine Rücknahme der Exkommunikation, wie sie Papst Benedikt XVI. im Dezember 2008 vorgenommen hatte, heute nicht vorstellbar ist. Ihre Gewissheit, als Retter der Tradition im Besitz der einen Wahrheit zu sein, sendeten die Piusbrüder von der Schweiz aus in Richtung Vatikan. Papst Leo XIV. dürfte klar geworden sein, dass diese Gemeinschaft und ihre Anhänger für die katholische Kirche verloren sind. Mit der Feier in der Schweiz haben die Piusbrüder das Gewand zerschnitten.CLAUDIA.MOELLERS@OVB.NET