Riesen-Umweg: Die Route des Schwer-Lkw, der das Schneidrad transportierte, führte über Frankfurt und Nürnberg.
Bachmeiers Firma führt Schwertransporte durch.
Diese Woche per Schwerlast-Transport eingetroffen: Das Schneidrad für den Tunnelbohrer, das hier in die Baugrube der 2. Stammstrecke abgesenkt wird. © DB, PRIVAT
München/Falkenberg – Es ist ein ungleiches Duo, das da im 5. Stock des Landtags aufeinandertrifft. Der Vizechef der Grünen-Landtagsfraktion, Johannes Becher, hat den Unternehmer Christian Bachmeier ins Maximilianeum eingeladen. Bachmeier ist bodenständig, man ist gleich beim Du, aber er ist kein Grüner. Sondern Chef von BC Trans GmbH, einem auf Schwertransporte spezialisierten Unternehmen im niederbayerischen Falkenberg. Bachmeier und Becher haben sich im vergangenen Jahr kennengelernt, als der Grünen-Abgeordnete bei seiner alljährlichen Sommer-Wanderung durch Bayern mit dem Unternehmer ins Gespräch kam. Jetzt reden die beiden über die Probleme, übergroße Transporte zu organisieren. Stichwort Entbürokratisierung. Bachmeiers Firma ist auf Leimbinder spezialisiert, übergroße Holzkonstruktionen, etwa für Hallendächer, die von X nach Y transportiert werden müssen – meist nachts und mit Begleitfahrzeugen.
Das Problem ist in der Branche bekannt. Prominentes Beispiel für München: die 2. Stammstrecke. Die erste Tunnelbohrmaschine wurde zerlegt und in 23 Schwertransporten vom Hersteller Herrenknecht in Baden nach München transportiert. „Die Genehmigungsprozesse für solche Transporte sind sehr aufwendig, es kommt auch immer wieder vor, dass genehmigte Transportwege kurzfristig wieder abgesagt werden“, heißt es von der Baufirma.
Bis zu 200.000 Euro, so schätzt Bachmeier, zahle er jährlich an Gebühren. Letztlich kommt er damit für die Gehälter mehrerer Sachbearbeiter auf. Diese müssen Brücken und Straßen vorab prüfen, ob sie für Spezialtransporte mit mehr als 40 Tonnen, Überbreiten und -längen geeignet sind. Für jeden Transport einzeln reicht Bachmeier seinen Antrag beim Landratsamt Rottal-Inn ein. Die Leute dort kennen ihn schon. Rottal-Inn leitet eine Anhörung ein, die an alle beteiligten Straßenbaulastträger entlang der Route geht. Ginge ein Transport von Rottal-Inn zum Beispiel nach Fürstenfeldbruck, müssten die Landratsämter von Dingolfing-Landau, München und Fürstenfeldbruck sowie staatliche Bauämter und die Autobahn GmbH ihr Okay geben. Das dauert bis zu vier Wochen. In den Niederlanden dauert die Genehmigung maximal fünf Tage, hat Becher recherchiert.
Eigentlich könnte sich der Unternehmer die Route selbst online zusammenstellen. Dafür gibt es VEMAGS, ein Online-Portal. In der Realität stimmen die Daten aber oft nicht, sagt Bachmeier. Der Grund: Behörden in Deutschland sind nicht verpflichtet, den Zustand aller ihrer Straßen dort einzutragen. Becher möchte das ändern. Das ist ein Punkt im Antrag, den er in den Landtag einbringen will. Was Bachmeier so an Details über die Genehmigungsprozesse erzählt, bringt Johannes Becher zum Kopfschütteln. Zum Beispiel hat jedes Bundesland eigene Regeln für Begleitfahrzeuge. Als BC Trans einmal einen Transport kurz hinter der bayerisch-thüringischen Grenze durchführte, musste er für die acht Kilometer durch Thüringen in diesem Bundesland zugelassene Fahrzeuge ausleihen. Dabei hat er eigene, 13 Stück. 1500 Euro extra kostete das. Auch die Pflicht, für einen Schwertransport genau ein bestimmtes Fahrzeug zu benennen, hält Becher für unsinnig. Bachmeier sagt, er habe 80 Lkw, darunter etliche baugleiche. Die Regel mache keinen Sinn. Und so geht es weiter.
Sieben Einzelpunkte umfasst Bechers Antrag. „Ich möchte dem Verkehrsausschuss des Landtags die Problematik vor Augen führen“, sagt der Fraktionsvizechef. „Dort sitzen Abgeordnete, die sehr lösungsorientiert sind.“DIRK WALTER