KOLUMNE

Nicht wegwerfen!

von Redaktion

„So was kann man richten.“ Das ist eine mütterliche Weisung, die mir schon früh mitgegeben wurde. Verbunden oft mit der Ergänzung: „Viel zu schade, um es wegzuwerfen.“ Wir hatten zu wenig Geld, um beispielsweise Haushaltsgeräte mal eben in die Tonne zu treten. Für kleinere elektronische Defekte eilte man ins Fachgeschäft oder holte bei größeren Malheurs den Experten ins Haus. Heute ersetzen 31 Prozent der Deutschen alte elektronische Geräte durch neue, obwohl die, die sie haben, noch funktionieren.

Jeder Bundesbürger erzeugt jährlich rund zwölf Kilo Elektroschrott. Betrüblich ist vor allem, dass in der EU weniger als 40 Prozent von diesem Schrott fachgerecht recycelt wird. Er verschwindet teilweise im Hausmüll – dadurch gehen wertvolle Rohstoffe verloren. Oder er wird in andere Länder wie Ghana exportiert. Dort schaden giftige Stoffe Kindern, Erwachsenen und der Umwelt. Wer da nicht mitmachen will, tut sich manchmal schwer. Hersteller teilen angesichts defekter Teile gerne mit: „Das zu reparieren lohnt sich nicht.“

Aber wenigstens das wird Ende Juli wegen eines neuen Gesetzes zum „Recht auf Reparatur“ anders. Es setzt eine EU-Richtlinie um, die mehr Sammelquoten und Recycling will. Hersteller von bestimmten Elektronikprodukten müssen auch nach Ablauf der Garantiefrist Ersatzteile vorhalten und Geräte reparieren – zu einem angemessenen Preis. Das Gesetz kann helfen, Menschen vor Schaden zu bewahren und kostbare Ressourcen zu schützen.

Und: Handwerker zeigen ihr Können, wenn sie reparieren, was zu schade zum Wegwerfen ist. Das gilt aber nicht nur für Elektronik. Schneiderin Sotira bei uns im Viertel freut sich wegen ihrer kleinen Rente über Aufträge und sagt, wenn ich ein altes Stück „zum Richten“ bringe: „Guter Stoff, gibt es heute fast nicht mehr, wäre schade wegzugeben.“ Auf Griechisch das, was meine Mutter mir auch beibrachte. Schuhmachermeisterin Melinda kümmert sich zu angemessenen Preisen um Absätze, Sohlen und Spitzen aller meiner Treter.

Ich erinnere mich an meinen Vater, der meine Schuhe inspizierte und mahnend sagte: „Man sieht immer auf die Füße! Da erkennt man sofort, ob du ordentlich bist!“ Melindas Expertise hilft mir, echt gut dazustehen. Freund Rupert findet heraus, warum das Radio nicht mehr geht, und richtet es. Helge, der freundliche Nachbar, besorgt ein Ersatzteil für den Staubsauger und bringt ihn in Windeseile wieder in Gang. Ich präsentiere dafür feine Gerichte aus meiner Küche. Die wiederum sind genau richtig, um sie wegzugeben.

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