Einsatz am Fuderheuberg: Nach stundenlanger Suche finden die Bergretter die Leiche des Vermissten. © Markus Leitner (2)
Piding – Es ist ein schöner Wandertag. Die Temperaturen in Piding im Berchtesgadener Land erreichen vergangenen Donnerstagnachmittag knapp 26 Grad. Regen oder Gewitter sind nicht in Sicht. Ideale Bedingungen für eine Bergtour also. Unter den Wanderern, die das gute Wetter nutzen, ist auch ein 19-Jähriger aus Bayreuth. Er ist am Vorderstaufen, dem östlichen, bewaldeten Ausläufer des Hochstaufenmassivs, unterwegs. Fuderheuberg wird dieser Bergrücken auch genannt. Hauptziel der Wanderer hier ist meist ein luftiger Felszahn mit Gipfelkreuz: der Fuderheustein auf 1321 Meter Höhe.
Die Tour dort hinauf gilt als anspruchsvoll. Schmale und exponierte Steige erfordern absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, so heißt es in den Beschreibungen.
Am Freitagvormittag melden Angehörige den 19-Jährigen bei der Polizei als vermisst. Auch die Kollegen des jungen Mannes machen sich Sorgen, als er am Freitag nicht zur Arbeit erscheint. Ihnen hatte der 19-Jährige von seinen Tourplänen am Fuderheuberg erzählt. Außerdem können die Kollegen den Einsatzkräften einen letzten bekannten Standort mitteilen. Die Retter haben deshalb einen Anhaltspunkt, wo sie nach dem vermissten Wanderer suchen müssen.
Die Einsatzkräfte gehen von einer akuten Notlage aus und sind deshalb von Anfang an mit einem Großaufgebot vor Ort. Im Einsatz sind rund 30 Ehrenamtliche der Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing, Ruhpolding, Teisendorf-Anger und Traunstein, darunter die Lawinen- und Suchhundestaffel der Bergwacht-Region Chiemgau sowie das Team des Technikbusses mit Wärmebild-Drohne. Zum Einsatz kommen außerdem Fußmannschaften, der Traunsteiner Rettungshubschrauber Christoph 14, drei Drohnen der Bergwacht, der Grenzpolizei und der Bundespolizei, zwei Polizeihubschrauber der Landespolizei sowie drei Suchhunde von Bergwacht und Polizei. Insgesamt beläuft sich das Team auf mehr als 50 Einsatzkräfte von Bergwacht und Polizei. Stundenlang suchen die Retter den Bereich am Fuderheuberg ab. Am späten Nachmittag entdecken sie auf der Nordseite des Berges den leblosen Körper des jungen Mannes. Die Helfer können jedoch nichts mehr für ihn tun. Mithilfe eines Polizeihubschraubers wird die Leiche ins Tal gebracht.
Nach aktuellem Ermittlungsstand ist der 19-Jährige am späten Donnerstagabend rund 200 Meter über eine steile Rinne am Vorderstaufen, nördlich unterhalb der Pidinger Hütte, abgestürzt. Dabei hat er sich tödliche Verletzungen zugezogen. Die Alpine Grenzpolizei Piding hat die Ermittlungen zu den genauen Todesumständen aufgenommen. Der junge Mann war alleine unterwegs, ein Fremdverschulden könne ausgeschlossen werden, sagte ein Sprecher der Polizei. „Wir gehen von einem tragischen Bergunfall aus.“BEA OSSBERGER