Der unbemannte Kampfjet CA-1: Markus Söder bei Helsing in Tussenhausen. © IMAGO
Ein Campus im Grünen: Bei einem Vor-Ort-Termin Anfang Juli präsentierte die Rüstungsfirma Helsing die Pläne für ihr Werk in Hallbergmoos. Dafür gab‘s jetzt grünes Licht von den Bürgern. © ev
Hallbergmoos – Das Verteidigungsunternehmen Helsing wird sich auf der Senderwiese in Hallbergmoos im Kreis Freising ansiedeln. 2729 Hallbergmooser (59 Prozent) sprachen sich per Bürgerentscheid dafür aus. Die Wahlbeteiligung lag bei 55,89 Prozent. Was kommt auf die Gemeinde zu?
Das produziert Helsing
Die Helsing GmbH mit Sitz in München ist ein 2021 gegründetes Software- und Rüstungsunternehmen. Es produziert etwa Kampfdrohnen, die in der Ukraine im Einsatz sind. Ein Schwerpunkt ist die Steuerung von Drohnen mithilfe von KI. Voriges Jahr hat Helsing den Allgäuer Flugzeughersteller Grob übernommen: In dessen Werk in Tussenhausen wird unter dem Projekttitel „CA-1 Europa“ ein unbemanntes Kampfflugzeug entwickelt. In England ist eine Fabrik für KI-gesteuerte Unterwasserabwehr geplant. In die Fabrik unweit des Münchner Flughafens will Helsing einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Kommt die erwartete Finanzspritze von 1,2 Milliarden durch Investoren, wäre Helsing mit einem Wert von 18 Milliarden US-Dollar das wertvollste deutsche Start-up.
Die Pläne für Hallbergmoos
In Hallbergmoos will Helsing Forschung, Softwareentwicklung und industrielle Fertigung vereinen. Schon 2027 soll der Bau der „Resilience Factory“ starten. Von den 78 Hektar der Senderwiese sollen 35 genutzt werden. Zehn Hektar sind als dauerhafte ökologische Ausgleichsflächen vorgesehen, ergänzt durch Artenschutzmaßnahmen. Geplant sind ein klimaneutraler Betrieb und Biotopstreifen. Die Produktion von Sprengstoff ist laut Helsing nicht vorgesehen. „Es freut mich, dass ein so deutliches Ergebnis beim Bürgerentscheid erzielt worden ist“, sagt Helsing-Chef Wolfgang Gammel zum Ergebnis. Nun freue man sich auf die Zusammenarbeit mit der Gemeinde im kommenden Bebauungsplanverfahren.
Die Gemeinde hofft
Hallbergmoos sieht in der Ansiedlung mit rund 300 Arbeitsplätzen Chancen: die Sicherung ihrer Finanzkraft, die Stärkung als Hightech-Standort sowie ein umfassendes Natur- und Ausgleichskonzept. Der Gemeinderat hatte im März für das Projekt gestimmt und Planungsschritte angestoßen. Durch das Bürgervotum können die fortgeführt werden. Bürgermeister Benjamin Henn (Freie Wähler): „Die Mehrheit hat erkannt, dass die Ansiedlung nicht nur ein Beitrag zur nationalen Souveränität ist, sondern vor allem unsere wirtschaftliche Situation entscheidend verbessern wird.“
Die Sorgen der Bürger
Die Bürgerinitiative Senderwiese ist aus ökologischen und sicherheitsrelevanten Bedenken nach wie vor gegen die Ansiedlung. Das Projekt sei zunächst als „Drohnenfabrik“, später als „Technologiecampus“ bezeichnet worden. Dadurch entstehe der Eindruck, dass Art und Umfang der geplanten Produktion nicht ausreichend transparent kommuniziert würden. Unabhängig davon könne die Anlage im Krisen- oder Kriegsfall potenzielles Angriffsziel sein. Umso größer ist jetzt die Enttäuschung: Man respektiere den demokratischen Willen der Bevölkerung, werte die eigene Kampagne mit über 800 Unterzeichnern ihres Bürgerbegehrens aber trotzdem als Erfolg. Heute Abend soll ein Rechtsanwalt bewerten, ob dieses Bürgerbegehren – mit umgekehrter Fragestellung, aber gleicher Zielrichtung – nach dem Ratsbegehren noch zulässig ist oder nicht.
Jubel in der Politik
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) begrüßte das Ergebnis des Bürgerentscheids: „Nur wer sich verteidigen kann, wird nicht angegriffen. Dazu braucht Deutschland möglichst viel eigene Entwicklung und Produktion von Verteidigungsgütern im Inland.“
Wo Bayern noch aufrüstet
KNDS mit Sitz in München stellt Panzer, Artillerie und Flugabwehr her. In Taufkirchen fertigt Hensoldt Radarsysteme und Sensoren für Flugabwehrsysteme, Flugzeuge, Drohnen und Schiffe. Renk sitzt in Augsburg und baut Panzer-Getriebe. Im Kreis Starnberg produziert Quantum Drohnen. MBDA fertigt in Schrobenhausen die bunkerbrechenden Marschflugkörper Taurus.
EV/SCO