Aus Würzburg ins Weltall

von Redaktion

Fünf bayerische Kleinsatelliten für Erdbeobachtung im Einsatz

Ingenieure arbeiten im Reinraum des Zentrums für Telematik an Mini-Satelliten.

Pionier bei der Kleinsatelliten-Forschung: Klaus Schilling hält ein Teil eines Mini-Satelliten in der Hand. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa (2)

Würzburg – Seit Dienstag, 9 Uhr deutscher Zeit, ist die bayerische Staatsregierung mit eigenen Satelliten im Weltraum vertreten. Mit einer Rakete von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX wurden neun in Würzburg entwickelte Kleinsatelliten ins All gebracht. Sie sollen frühzeitig Waldschäden in Bayern erkennen oder den Katastrophenschutz etwa bei Hochwasser unterstützen.

„Wir schreiben bayerische Raumfahrtgeschichte“, sagte Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU). Die Flugzeit von Kalifornien aus betrug etwa 50 Minuten für knapp 600 Kilometer. „Sie funken schon“, berichtete Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Die 14 Kilo schweren Satelliten von der Größe eines Aktenordners würden viele nützliche Bilder für Landwirtschaft, Hochwasserprognosen und auch Klimawandel liefern. Allerdings erst in etwa sechs Monaten, dann erreichen sie ihre Ziellaufbahn.

„Es war ein Bilderbuchstart. Die Satelliten sind in verschiedene Richtungen verteilt worden“, sagte Klaus Schilling vom Zentrum für Telematik (ZfT) in Würzburg. Aufgabe von fünf Satelliten sei es künftig, alle drei Tage Bilder und Daten von Bayern zu liefern für Hochwasserprognosen oder die Land- und Forstwirtschaft. Multispektralkameras sollen insbesondere Waldschäden durch Trockenheit frühzeitig feststellen.

Fünf der neun Satelliten gehören zum Projekt namens „CuBy“. Dieses Projekt soll die Erkenntnisse dem Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung sowie den Bayerischen Staatsforsten, der Landwirtschaft und dem Katastrophenschutz zur Verfügung stellen. Die Rohdaten seien mathematisch höchst komplexe Berechnungen, die mithilfe von KI ausgewertet und aufbereitet würden. Mit einer Auflösung von circa vier Metern pro Pixel werde ein etwa 80 Kilometer breiter Streifen Bayerns aufgenommen. „Personen können nicht erkannt werden, davor muss niemand Angst haben“, sagte Füracker.

Zusätzlich zu den fünf „CuBy-Satelliten“ sollen drei weitere sogenannte TOM-Satelliten 3D-Aufnahmen erzeugen, beispielsweise um bei Katastrophenlagen zu unterstützen. Satellit Nummer 9 ist ein Vorerkundungsexemplar. Er soll Informationen für eine spätere Mission zum Thema Klimavorhersagen liefern.

Kleine Satelliten sind in der Entwicklung und bei der Platzierung in der Umlaufbahn deutlich günstiger. Nach Schillings Angaben sind mit der Rakete so viele in Europa gefertigte Satelliten gleichzeitig ins All gestartet wie noch nie. Schilling gilt als Pionier bei der Kleinsatelliten-Forschung, nachdem er lange in der Raumfahrtindustrie und anschließend an der Universität Würzburg tätig war. Der erste deutsche Pico-Satellit kam 2005 von Schillings Uni-Team und hieß „Uwe-1“. Seine damalige Mission: Internet aus dem All zu ermöglichen. Seither wurden zahlreiche kleine Satelliten aus Würzburg in den Orbit gebracht.DPA

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