Seit 41 Jahren im Amt: Charlotte Knobloch (93) bleibt Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. © Marcus Schlaf
München – Sie will es noch mal wissen: Charlotte Knobloch (93) ist einstimmig und ohne Gegenkandidaten als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern wiedergewählt worden. Als Vizepräsidenten amtieren der Unternehmer Yehoshua Chmiel, der dieses Amt bereits seit 2016 ausübt, sowie neu Michael Holland, Jurist im Landratsamt Dachau und Antisemitismusbeauftragter des Landkreises Dachau.
Frau Knobloch, Glückwunsch zur Wiederwahl! Sie leiten die Kultusgemeinde seit 41 Jahren. Was motiviert Sie zum Weitermachen?
Ich habe im Vorfeld mit verschiedenen Personen gesprochen und habe ihre ehrlichen, ungeschminkten Meinungen eingeholt. Sie haben mich alle ermuntert, erneut anzutreten. Und so habe ich es dann auch gemacht.
Bayern gilt als „Musterland“ gegen „explodierenden Antisemitismus“, hieß es kürzlich bei der 15-Jahr-Feier des Israelischen Generalkonsulats. Sehen Sie das auch so?
Ja, aber auch hier werden jüdische Menschen attackiert. Wir sind die größte jüdische Gemeinde im deutschsprachigen Raum, aber Antisemitismus hat ein früher nicht gekanntes Ausmaß erreicht. Ich hätte mir bis vor wenigen Jahren nie vorstellen können, dass ich so was noch erleben muss. Menschen, die auf der Straße in irgendeiner Form ihr Judentum zeigen, sind nicht sicher, auch in München und anderen größeren Städten leider nicht. Dagegen erheben wir unsere Stimme. Und das ist auch eine Motivation für mich, erneut als Präsidentin weiterzumachen.
Antisemitismus von rechts oder links – was ist momentan bedrohlicher?
Ich würde da keine Unterschiede machen. Die Rechten wie die Linken haben den Wunsch, dass die Juden das Land verlassen. Das lassen wir uns nicht gefallen. Wir sind da.
Welche Pläne gibt es für die jüdische Gemeinde?
Wir sind vorläufig sehr zufrieden – die Synagogen, das Gemeindezentrum, es gibt die jüdische Ganztags-Grundschule und das jüdische Helene-Habermann-Gymnasium, das sind alles Einrichtungen, die sehr gut funktionieren. Wichtig wäre ganz akut ein Ausbau der Sportanlagen, gerade auch im Interesse der jüngeren Menschen. Das würde mich freuen. Wir müssen aber auch an unsere Senioren denken, nicht zuletzt wegen des früheren Zuzugs aus der ehemaligen Sowjetunion haben wir vor wenigen Jahren ein neues Seniorenheim eingeweiht. Solche Strukturen müssen wir jetzt festigen.
Gibt es mehr jüdisches Leben in Oberbayern, abseits von München?
Ja, mehr Juden leben auch außerhalb von München, aber eher privat und anonym. Der Großraum München ist eindeutig das kulturelle Zentrum unserer Gemeinde.
Wird es Ihre letzte Amtszeit sein?
(lacht) Das entscheidet ein anderer. Und den können Sie nicht fragen.