INTERVIEW
„Eltern sollten keine zusätzlichen Ängste schüren“
Die Psychotherapeutin Charlotte Zerries-Gudat erklärt, wie man Kindern nach einer Gewalttat beistehen kann
Schreckliche Nachrichten wie die eines Amoklaufs an der Schule können Kinder zutiefst verängstigen. Wie können Eltern ihnen am besten beistehen? Darüber sprachen wir mit der Starnberger Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Charlotte Zerries-Gudat.
Das kommt darauf an, wie alt die Kinder sind. Bei unter zwölfjährigen Kindern sollten Eltern einfach versuchen, sie zu beruhigen, zu trösten und für sie da zu sein. Die Angst vor Verletzungen und vor Übergriffen ist bei jüngeren Kindern anders. Man sollte offen sein für ihre Fragen, aber darauf achten, dass man keine zusätzlichen Ängste produziert und sie ruhig ins Bett gehen können. Ältere Kinder haben sehr viel mehr Vorwissen und viele Fragen. Sich austauschen mit anderen Gleichaltrigen und Erwachsenen ist in dem Alter das A und O. Auch die Schule spielt eine riesengroße Rolle. Hier sollte es Ansprechpartner geben. Entscheidend ist auch die Frage, wie man sich in so einer Situation selbst schützen kann. Besonders bei Jugendlichen halte ich es für wichtig, zu vermitteln, dass sie nicht Heldin oder Held sein müssen.
Diese Ängste muss man erst einmal als real wahr und ernst nehmen. Vielleicht ist es für einzelne Schüler sogar wichtig, mal ein paar Tage zu Hause zu bleiben. Danach sollte man aber sehen, dass sie wieder in die Schule gehen. Man kann den Kindern helfen, indem man Strategien dafür entwickelt, was sie machen können, wenn sie Angst bekommen, und wo sie sich sicher fühlen. Wie die Kinder reagieren, ist sehr unterschiedlich. Manche stecken das komplett weg, andere sind rasch verängstigt und zeigen Reaktionen wie Zittern oder Bauchschmerzen.
Kinder können ihre Gefühle meist nicht so gut in Worte fassen wie Erwachsene und reagieren mehr mit dem Körper. Sie haben Bauchweh, schlafen schlecht, klagen über Übelkeit und so weiter. Hier hilft es, wenn die Eltern das ernst nehmen – und einfach da sind.