Straßlacher RAF-Anschlag: Bis heute ungeklärt

Vor 40 Jahren starben der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts und sein Chauffeur Eckhard Groppler

Eckard Groppler arbeitete als Fahrer. © Fotoreport Siemens AG

Karl Heinz Beckurts war Atomphysiker. © Siemens

Nach dem Anschlag: Experten untersuchen das Fahrzeugwrack, in dem Beckurts und sein Fahrer Groppler starben. © Gaulke/pa

Straßlach – Es ist der 9. Juli 1986, heute vor 40 Jahren: Kurz vor halb acht in der Früh reißt eine Explosion die Bürger in Straßlach (Kreis München) aus dem Schlaf: An der Staatsstraße 2072 Richtung Grünwald ist eine Bombe detoniert, wie sich herausstellt, war es Sprengstoff in zwei Gasflaschen. Er schleudert den schweren BMW 735i, der gerade vorbeigefahren ist, auf die andere Straßenseite. Beide Insassen, der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts (56) und sein Fahrer Eckhard Groppler (42), sind sofort tot. Kurze Zeit später taucht ein Bekennerschreiben auf: Da ist klar, Beckurts und Groppler sind von der Roten Armee Fraktion ermordet worden, sie sind das 32. und 33. Todesopfer der RAF.

Der Name des Kernphysikers Beckurts kursierte in linksextremen Kreisen damals schon länger. Daher wurde er auch von einem Auto mit zwei Personenschützern begleitet. Die jedoch können gegen einen Sprengstoffanschlag vom Straßenrand aus nichts ausrichten. In der ideologisch aufgeladenen Phrasen-Sprache der RAF musste der Atomexperte Beckurts sterben, weil er „den Kurs des internationalen Kapitals in der aktuellen Phase der politischen, ökonomischen und militärischen Strategie des imperialistischen Gesamtsystems“ repräsentierte. Groppler ist ein Zufallsopfer – ein Verbrechen, das die Familie aus der Bahn warf, wie seine Tochter Jahre später unserer Zeitung berichtet. „Ich weiß nicht mehr, wie lange ich damals nicht mehr in der Arbeit war. War es eine Woche, einen Monat?“ Psychologische Betreuung gab es damals nicht. Dafür treffen Kondolenzschreiben aus ganz Deutschland ein, wildfremde Leute, die den Gropplers schreiben. Sicher gut gemeint, aber so richtig was anfangen können sie damit nicht. Die Post haben sie irgendwann weggeworfen.

Das Attentat, so viel ist in der Rückschau klar, reihte sich damals in eine Serie ein, die vor allem bayerische Ziele und Personen ins Visier nahm: Schon im Dezember 1984 hatte die sogenannte dritte Generation RAF, die im Gegensatz zu den Gründern wie Andreas Baader oder Ulrike Meinhof militärisch ausgebildet war, einen Anschlag auf die damalige NATO-Schule in Oberammergau versucht – der scheiterte jedoch. Am 1. Februar 1985 wird der MTU-Chef Ernst Zimmermann in seinem Haus in Gauting hingerichtet. Und dann der Anschlag auf Beckurts. Bis heute sind die Morde nicht aufgeklärt. Ein Verdächtiger, der RAF-Terrorist Horst Ludwig Meyer, starb 1999 bei einem Feuergefecht in Wien.

Und auch die 2024 festgenommene und jüngst verurteilte RAF-Terroristin Daniela Klette hat nichts zur Aufklärung beigetragen – weil sie nicht will oder auch weil sie nichts weiß.DIRK WALTER

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Freitag, 10. Juli 2026
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