Der Ärger der Landwirte mit dem Wassercent
Seit Juli müssen auch Bauern für Grundwasserentnahme bezahlen
München – Die Kombination der Wetterphänomene macht es für die Landwirte in Bayern in diesem Jahr besonders schwer. „Ein so trockenes Frühjahr und vor allem eine solche Hitze Ende Juni, das kannten wir bisher in Oberbayern nicht“, sagt Patrick Scharl, Experte für das Thema Wasser und Referent für Obst- und Gartenbau beim Bayerischen Bauernverband (BBV).
Bislang hatten vor allem die Landwirte in Franken unter der Trockenheit zu leiden. In diesem Jahr aber trifft es auch das Allgäu, wo die Erträge auf den Grünlandflächen teilweise deutlich geringer ausfallen und mancherorts ein Schnitt fehlt. Den Betrieben fehlt damit ein Teil der Futtergrundlage für ihre Tiere. „Dann muss womöglich wieder zugekauft werden“, erklärt Scharl. Deutlich weniger Regen habe es auch in Niederbayern gegeben. „In Oberbayern kommen wir in den meisten Bereichen noch einigermaßen gut weg.“ Für Landwirte sei es sehr schwierig, Wasser zu sparen. „Wer jetzt bewässert, macht das nicht aus Spaß“, sagt der BBV-Referent.
Die Erkenntnis, dass Wasser immer kostbarer wird, setzt sich immer mehr durch. Auch in Bayern wird seit dem 1. Juli der Wassercent erhoben, um einen schonenderen Umgang mit der wertvollen Ressource Grundwasser zu fördern. Die Einnahmen sind zweckgebunden und fließen direkt in den Grundwasserschutz, die Renaturierung von Gewässern und die Sicherung der Wasserversorgung gegen die Folgen des Klimawandels.
In Bayern wird die Abgabe mit 10 Cent pro entnommenem Kubikmeter (1000 Liter) berechnet. Dies soll für die großen Wasserentnehmer – wie Industrie, Landwirtschaft und öffentliche Wasserversorger – einen Anreiz setzen, Wasser zu sparen und Verschwendung zu vermeiden. Bayerns Landwirte lehnen den Wassercent ab. „Wir sehen das nicht als geeignet an, um in der Landwirtschaft Wasser zu sparen“, sagt Scharl. Man habe da kaum Lenkungswirkung, denn die Pflanzen und die Tiere entscheiden, wie viel Wasser gebraucht werde. Natürlich habe das Trinkwasser immer den höchsten Vorrang, aber auch die Ernährungssouveränität sei wichtig. Und dazu brauche man Wasser, um die Erträge zu erhalten.
Für die Landwirte, die in der Regel über eigene Brunnen verfügen, gibt es eine Freigrenze von 5000 Kubikmeter aufs Jahr gerechnet. Erst wenn diese Menge erreicht ist, müssen sie 10 Cent pro Kubikmeter Wasser bezahlen. Das geht laut Scharl je nach Größe des Betriebs und Art der Anbaukulturen schnell in die Tausende. Die Bauern ärgern sich über zusätzliche Kosten und Bürokratie für Betriebe und Verwaltung. „Die Einführung des Wassercents erfolgte überhastet und ohne ausreichende Klärung praktischer Umsetzungsfragen“, schimpft der Verband. Außerdem kritisiert der BBV das Vorgehen des Umweltministeriums, Informationen binnen kürzester Zeit anzufordern, den Betroffenen aber nur mit großer Verzögerung zur Verfügung zu stellen.
Einnahmen aus dem Wassercent sollten zumindest gezielt verwendet werden, „um Wasser in der Fläche zu halten“, fordert Scharl. Etwa durch „grüne Gräben“, dezentrale Rückhalte- und Speicherlösungen sowie Maßnahmen, die die Versickerung und Wasserspeicherfähigkeit der Böden verbessern. Auch die Forschung zu wassersparenden Anbauverfahren müsse vorangebracht werden.CLAUDIA MÖLLERS