von Redaktion

Ich stand vor einem Feld voller riesiger gelber Blumen, so groß wie Teller, auf Stielen so hoch wie die Zweibeiner. Und alle, wirklich alle, schauten in dieselbe Richtung. Zur Sonne. Ich riss den Schnabel auf. „Was ist das?“, schnatterte ich laut. „Sonnenblumen“, quakte Agnes: „Ich kenne sie schon lange. Die Blumen wachsen hier jeden Sommer.“ „Aber warum schauen sie alle in dieselbe Richtung?“, quakte ich.

Agnes lächelte und schob die Brille zurecht. „Das nennt man Heliotropismus“, begann sie. „In dem Stiel der jungen Sonnenblume steckt ein Wachstumsstoff. Dieser Stoff wandert immer auf die Seite, die gerade im Schatten liegt, und lässt diese Seite schneller wachsen. So biegt sich der Stiel zur Sonnenseite hin. Die Schattenseite wächst schneller, die Sonnenseite langsamer, und schon dreht sich die ganze Blume dorthin, wo das Licht ist.“ Agnes machte eine kurze Pause. „Und sie tut es nicht nur für sich. Eine Blume, die in der Sonne warm ist, wird viel öfter von Bienen besucht. Und Bienen bringen den Blütenstaub von Blume zu Blume, das braucht die Sonnenblume, um Samen zu bilden.“

„Also dreht sie sich auch zur Sonne, damit die Bienen kommen?“, schnatterte ich. „Unter anderem“, nickte Agnes. „Sie ist eine sehr kluge Pflanze.“ Ich trat näher heran und schaute hoch zu einem der großen gelben Köpfe. Aus der Nähe sah ich, dass die Mitte der Blume aus hunderten winziger kleiner Blüten bestand, eng aneinandergereiht in einem wunderschönen Spiralmuster.

Eure Paula

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