Fensterbruch im Ferienflieger

von Redaktion

Dramatische Szenen in Ryanair-Maschine

Die Route der Maschine, die nach dem Vorfall zurück nach Thessaloniki flog.

Das gebrochene Fenster in dem Flugzeug. © Privat

Memmingen/Thessaloniki – Es muss ein echter Albtraum gewesen sein, den Passagiere am Freitag an Bord eines Ryanair-Flugs von Thessaloniki nach Memmingen erlebten: Zuerst ein Knall, dann zersplitterte ein Fenster. Den Fluggast daneben soll der Sog in die Öffnung gezogen haben. Laut Angaben des Branchenportals „Aviation Herald“ war das Fenster aus dem Rumpf gebrochen – auf knapp 5000 Metern Höhe. Andere Fluggäste sollen den Mann gerade noch festgehalten haben. „Sein Kopf und seine Schultern ragten aus dem zerbrochenen Fenster heraus“, berichtete ein Augenzeuge dem griechischen Rundfunk ERT. Den Passagieren sei es gelungen, den Mann wieder in die Kabine zurückzuziehen.

Die Ryanair-Maschine des Typs Boeing 737-800 musste nach dem Unglück kurz nach der nordmazedonischen Grenze zum Flughafen Thessaloniki zurückkehren, wo sie gegen 7 Uhr sicher landete. Insgesamt war der Flieger rund 75 Minuten in der Luft. Wie auf Flugverfolgungsseiten im Internet zu sehen ist, drehte der Jet noch einige Schleifen, bevor er landen konnte. Auf Fotos und Videos in Sozialen Netzwerken ist auch zu sehen, dass während des Flugs Sauerstoffmasken in der Kabine herabfielen.

Vieles ist noch unklar. Ryanair bestätigt, dass es einen Vorfall auf dem Flug gab. Laut einem Sprecher habe sich ein Passagierfenster gelöst. Danach sei die Maschine jedoch „normal“ in Thessaloniki gelandet und die Passagiere seien zum Terminal zurückgekehrt. Ein Fluggast habe laut Ryanair in Thessaloniki um medizinische Hilfe gebeten und diese auch erhalten. Ob es sich dabei um den Mann handelte, der im Fenster steckte, ist unklar. Bei diesem soll es sich laut Medienberichten um einen 61 Jahre alten Serben handeln. Laut dem Rundfunk ERT soll dieser Verletzungen im Nackenbereich erlitten haben. Er wurde demnach in einem örtlichen Krankenhaus behandelt. Die griechische Polizei ließ eine Anfrage zu dem Vorfall bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Und auch Ryanair reagierte nicht auf Fragen zur Ursache des Vorfalls. Die Fluglinie aus Irland teilte nur mit: „Um die Verspätung so gering wie möglich zu halten, stellte Ryanair ein Ersatzflugzeug bereit, das die Passagiere nach Memmingen brachte.“ Dieses sei dort auch angekommen. Für die betroffenen Passagiere soll es vorsorglich auch Ansprechpartner vor Ort gegeben haben, diese Angebote seien jedoch laut der Airline vorerst nicht in Anspruch genommen worden.

Harald Hanke, emeritierter Professor für Luftfahrtelektronik und Ex-Pilot, erklärte das Phänomen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit dem großen Druckunterschied zwischen dem Kabinenbereich und dem Außenbereich des Flugzeugs. Die Passagierkabine werde im Flug auf einem für Menschen erträglichen Luftdruck gehalten, der in großer Höhe deutlich über dem der Umgebungsluft liegt. „Wenn in der Kabine plötzlich ein großes Loch entsteht, gleicht sich der Druck schlagartig aus“, so Hanke. In der Folge werden Gegenstände und nicht angeschnallte Passagiere durch die Öffnung angesaugt. „Je größer die Öffnung ist, desto schneller geschieht das.“ Der Fall müsse von den Behörden gründlich aufgeklärt werden.JULIAN LIMMER

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