…bei Stefan Eß vom Michaelsbund.
Der Sankt Michaelsbund feiert heute sein 125-jähriges Bestehen. Das Medienhaus verfügt über ein Netzwerk von über 1000 öffentlichen Büchereien in ganz Bayern, davon rund 200 im Erzbistum München und Freising. Wir sprachen mit dem geschäftsführenden Direktor Stefan Eß.
Der Michaelsbund in München ist ein katholischer Büchereifachverband. Wird das heute noch gebraucht?
Ja, öffentliche Büchereien sind die meistbesuchten kulturellen Einrichtungen im Freistaat.
Können Sie Zahlen nennen?
Die insgesamt fast 1700 öffentlichen Büchereien in Bayern verzeichnen rund 25 Millionen Besuche im Jahr. Das ist mehr als alle anderen kulturellen Einrichtungen im Freistaat zusammengenommen. Büchereien erfreuen sich also nach wie vor großer Beliebtheit und haben seit vielen Jahren stabile Besucherzahlen. Wir konnten jetzt sogar gegenüber Corona – da gab es eine Delle, weil die Büchereien zeitweise schließen mussten – die Zahlen von vor der Pandemie überbieten. Büchereien werden immer beliebter.
Die Leute schauen doch eher in ihr Handy, als dass sie ein Buch zur Hand nehmen, denkt man. Wie erklären Sie sich den Reiz des Lesens, der heute offensichtlich dann doch noch da ist?
Das Lesen von Büchern behauptet sich weiterhin im Konzert der Mediennutzung, obwohl das Buch schon so oft totgesagt wurde. Gleichzeitig haben viele Büchereien auch digitale Angebote wie Hörbücher und E-Books. Sie bieten Lernkurse an, Zeitungen und Zeitschriften, die man auch digital nutzen kann. Auf der anderen Seite sind und bleiben Büchereien Treffpunkte. Die Leute gehen nicht nur in die Bibliothek, um sich Bücher und Medien auszuleihen, sondern auch, um andere Leute zu treffen.
Sie haben sich auch die Stärkung der Demokratie auf die Fahnen geschrieben. Wie machen Sie das?
In der Bücherei trifft man andere Menschen und stößt damit auch auf andere Meinungen. Das ist schon mal wertvoll in unserer zunehmend polarisierten Gesellschaft: Dialogfähigkeit herzustellen. Zu sehen, es gibt andere Standpunkte, die man selbst aushalten muss. In der Bücherei können Menschen miteinander in den Austausch kommen. Daneben gibt es dort ein Angebot an Büchern und Medien, die zum Beispiel erklären, wie Demokratie funktioniert, und die die Menschen informieren und bilden. Von daher sind Büchereien gute, wichtige Lernorte der Demokratie. Sie bringen die Menschen in den Austausch, und sie machen sie schlau.
Was kostet das Ausleihen eines Buches?
Das Ausleihen eines einzelnen Buches kostet nichts. Die Büchereien haben Jahresangebote für Einzelne oder für Familien. Das kostet etwa zwischen 15 und 20 Euro im Jahr. Also der Preis für einen Mitgliedsausweis ist wirklich vernachlässigbar und nur ein kleiner Energieausgleich sozusagen, nicht wirklich ein Kostenfaktor für die Nutzer.