„Der Gurt hat ihn gerettet“

von Redaktion

Nach Vorfall auf Ryanair-Flug: Frau schildert dramatische Sekunden

Eine Ryanair-Maschine am Memminger Flughafen. © Engel

Das zerstörte Fenster des Ryanair-Flugzeugs direkt neben dem Sitz. © Privat

Svetlana Grkovic und ihr Mann Ljubisa Karovic im Urlaub in Griechenland. © Facebook

Thessaloniki/Memmingen – Er hing in 4500 Metern schon halb aus dem Flugzeug – und innen zog seine Frau verzweifelt an seinen Beinen. Jetzt spricht die Serbin Svetlana Grkovic über die dramatischen Minuten auf dem Ryanair-Flug von Thessaloniki nach Memmingen. Während des Flugs am 17. Juli war ihr Mann Ljubisa Karovic (61) aus einem zerstörten Fenster gesaugt worden (wir berichteten). Vier Tage nach dem Vorfall in der Boeing 737-800 schilderte Grkovic dem griechischen öffentlich-rechtlichen Sender ERT, wie nah ihr Mann dem Tod gewesen sei.

Die beiden hatten in Griechenland Urlaub gemacht. Ljubisa Karovic verkauft und vermietet Apartments in den Urlaubsorten Paralija und Olympic Beach bei Thessaloniki. Doch beim Rückflug nach Memmingen kam es zum Undenkbaren: Ihr Mann sei am Fenster gesessen, sagt Grkovic. Als es zerbarst, sei es zu einem Druckabfall in der Kabine gekommen. Der Sog habe ihren Mann nach außen gerissen. „Ich reagierte sofort und packte seine Beine. Ich dachte: ‚Wenn wir sterben, dann sterben wir gemeinsam.‘ Es war schrecklich“, sagte Grkovic dem serbischen Nachrichtenportal Nova. „Zum Glück war er angeschnallt – der Sicherheitsgurt hat ihm das Leben gerettet.“

Gemeinsam mit anderen Fluggästen habe sie ihren Mann zurück ins Flugzeug ziehen können. „Einige Leute kamen mir zu Hilfe; ich erinnere mich an einen Mann und eine Frau“, sagte sie. „Dieser Mann hat mir sehr geholfen – Ljubisa und mir.“ Sie wolle sich persönlich bei ihm bedanken. Er habe dazu beigetragen, ihrem Mann das Leben zu retten.

Ljubisa Karovic liegt seiner Frau zufolge im Krankenhaus. Er trägt eine Halskrause und stehe noch immer unter Schock. Neben Verletzungen an Nacken und Schulter habe er Reibungsverbrennungen erlitten. Zusätzlich zu den körperlichen Schäden kämpfe er mit den psychischen Folgen des Erlebnisses. Dreimal hat ihr Mann das Bewusstsein verloren. „Mir ist es wichtig, dass er lebt“, sagte Grkovic. „Er kann sich nicht verständigen, er kann sich nicht an den ganzen Vorfall erinnern.“

Nach Angaben des von der Familie beauftragten technischen Gutachters soll sich ein Bauteil einer der Turbinen gelöst haben. Die Trümmer hätten das Fenster getroffen und zerstört. Durch den plötzlichen Druckunterschied sei eine starke Sogwirkung entstanden, wodurch der Passagier zeitweise mit dem Oberkörper aus dem Flugzeug gezogen worden sei. Das griechische Verkehrssicherheitsgremium sowie der technische Gutachter der Familie unterziehen nun das Flugzeug einer Prüfung, berichtete ERT.THOMAS GAUTIER

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