Fische in der Hitzefalle

von Redaktion

Wasserstände gehen zurück – das wird an Bächen jetzt zum Problem

Am Rettenbach im Kreis Dachau mussten Muscheln umgesiedelt werden. © Günter Schön

Steinig: Ufer des Sylvensteinspeichers, aufgenommen gestern Mittag von der Faller Klammbrücke. © Arndt Pröhl

München/Dachau – Die anhaltende Trockenheit macht bayerische Flüsse allmählich zu Rinnsalen und Bayerns Seen zu Steinwüsten. 60 Prozent der Flusspegel in Bayern werden aktuell als „sehr niedrig“ eingestuft, heißt es im jüngsten Niedrigwasser-Lagebericht des Landesamts für Umwelt (LfU) vom vergangenen Freitag. Vor allem im Einzugsgebiet von Isar und Inn ist die Lage stellenweise kritisch. „Sehr niedrig“, so die offizielle Alarmstufe, sind etwa die Pegel kleinerer Flüsse wie Glonn (Bad Aibling), Isen (Engfurt) oder Goldach (Erding) sowie der Würm (Leutstetten), der Jachen (Bad Tölz), der Loisach (bei Kochel) sowie von Ammer und Amper. An der Isar ist es nicht ganz so dramatisch, der Wasserstand an den Pegeln Puppling und in München wird als „niedrig“ klassifiziert, am Unterlauf bei Landshut und Plattling jedoch als „sehr niedrig“.

Der Sylvensteinspeicher, für die Wasserzufuhr zur Isar entscheidend, hat knapp fünf Meter seiner üblichen Sommerstauhöhe eingebüßt, am Sonntag fiel der Pegel unter die Marke von 745,5 Meter über Meereshöhe. Normal für diese Zeit sind 750 Meter. Nach Angaben von Tobias Lang vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim herrscht nun „Eskalationsstufe 2“. Das bedeutet: Es wird weniger Wasser an die Isar abgegeben, statt 14 jetzt zwölf Kubikmeter je Sekunde. Noch gebe es aber genug Reserven, der Tiefststand des Jahrhundertsommers von 2003 sei noch nicht erreicht, sagt Lang.

Besonders brenzlig ist die Lage an vielen Bächen, den sogenannten Gewässern dritter Ordnung. Einige sind schon ausgetrocknet, es gibt spontane Rettungsaktionen vor dem Trockenfallen. „Das passiert aktuell in vielen Landkreisen“, sagt Maximilian Voit, Präsident des Fischereiverbands Oberbayern. Beispiele: Im Landkreis Dachau konnte der Fischer Günter Schön 800 Elritzen und Bachschmerlen aus der Oberen Ilm bei Pipinsried retten. Die ist „fast vollständig auf mehreren 100 Metern trocken“, sagt Schön. Am Rettenbach bei Vierkirchen „wird das Wasser auch knapp“, berichtet er besorgt. „Der Bach hat einen phantastischen Bestand an großen Teichmuscheln.“ Mit der Hand evakuierte er auf zehn Metern Länge 114 Exemplare, die in den Rothbach bei Schwabhausen umgesiedelt wurden.

Im Landkreis Fürstenfeldbruck mussten Fischer Bachforellen, Stichlinge und andere Arten aus dem Starzelbach bei Alling retten, insgesamt 1200 Stück. Auch am Gröbenbach gab es Fischretter. Die Tiere schwimmen nun in der Amper. Doch auch die führt immer weniger Wasser – in Fürstenfeldbruck lag der Wasserstand gestern bei nur noch sechs bis acht Zentimetern. Normal sind 75 Zentimeter. Bayerns Fischer sind in Sorge. „Wenn ein Gewässer trockenfällt, verlieren die dort lebenden Tiere ihren kompletten Lebensraum“, warnt Patrick Mayr, Geschäftsführer des Fischereiverbands Oberbayern. Das betrifft nicht nur Fische, sondern auch Muscheln, Krebse und andere Kleinstlebewesen – und nicht nur an Bächen, sondern auch in kleinen Seen. Am Bibisee bei Königsdorf (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) verendeten Forellen – das Wasser des Weihers ist so stark erhitzt, dass der Sauerstoffgehalt abgenommen hat. Ähnlich war es in einem Biotop bei Allach, das ausgetrocknet ist. Forellen, Huchen oder Saiblinge benötigen kühles, sauerstoffreiches Wasser. Karpfen, Brassen oder Schleien kommen mit warmen Temperaturen besser zurecht.

Besserung ist nicht in Sicht. „Aufgrund der vorhergesagten Witterung ist mit einer weiteren Hitzewelle und weiter anhaltendem Trockenwetter zu rechnen“, warnt das LfU. „Dadurch wird sich die Niedrigwasserlage verschärfen.“DW/TOG/VA

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