Der Verein für kleine Kickerinnen

von Redaktion

Auf allen Vieren wird aufgewärmt.

Alles im Blick: Trainerin Alexandra Sampl mit ihrer Mädchen-Gruppe.

Mit viel Gefühl im Fuß: Das Dribbeln funktioniert bei den Mädels der Kindergartengruppe des FC Ottobrunn schon ganz gut. © Robert Brouczek (3)

Ottobrunn – 17 Mädchen wuseln über den Kunstrasen. Mittendrin steht Trainerin Alexandra Sampl. Sie klatscht in die Hände und ruft: „Mädels, wir wollen Tore schießen.“ Ein Mädchen mit zwei Zöpfen, türkisfarbenem Trikot und passenden Stutzen rennt los, dribbelt konzentriert in die Mitte des Feldes und schießt den Ball ins Netz. Als sie zurückläuft, geht Sampl zu ihr. „Sehr gut gemacht, Vaani“, lobt sie und streicht ihr kurz über den Oberarm. Vaani strahlt. Die Sechsjährige kam vor Kurzem zum Probetraining der jungen Löwinnen des FC Ottobrunn im Landkreis München. Sie möchte bleiben.

Beim FC Ottobrunn gehört Mädchen- und Frauenfußball längst zum Vereinsalltag. Für jede Altersklasse gibt es eine Mädchenmannschaft. Vor Ostern entwickelte Sampl die Idee für einen Fußballkindergarten nur für Mädchen. Gemeinsam mit ihrer Familie hängte sie Plakate auf. „Nach den Osterferien hatten wir 13 Anfragen und haben sofort angefangen.“ Heute trainieren bereits 20 Mädchen im Fußballkindergarten. Mit so vielen Anmeldungen hatte Sampl anfangs nicht gerechnet. Für Sampl der Beweis, dass ihre Idee funktioniert.

Der Auslöser war ihre Tochter Emilia. „Ich habe für meine Tochter immer einen Verein gesucht, in dem sie mit anderen Mädchen spielen kann“, erzählt Sampl. Emilia begann mit vier Jahren Fußball zu spielen. In den gemischten Bambini-Gruppen war sie oft das einzige Mädchen. „Sie wurde manchmal gehänselt oder nicht angespielt. Die Jungs sind in dem Alter oft etwas grober.“ Heute spielt Emilia in der F-Jugend des Vereins. Was sie damals für ihre Tochter vergeblich suchte, will Sampl auch anderen Mädchen ermöglichen.

Auch Vaani kickte bisher meist mit ihrem Vater oder den Kindern aus der Nachbarschaft. Ihr Lieblingsspieler: Cristiano Ronaldo. Ein anderes Mädchen trägt ein Deutschland-Trikot von Joshua Kimmich, das ihr fast bis zu den Knien reicht. Viele der Mädchen träumen davon, eines Tages selbst als Profifußballerinnen auf dem Platz zu stehen. Und wer weiß – vielleicht trägt in ein paar Jahren ein Junge ein Trikot mit Vaanis Namen auf dem Rücken.

Doch bis aus diesem Traum einmal Wirklichkeit wird, stehen beim heutigen Training erst einmal Dribbeln und Ballgefühl auf dem Programm. Die Mädchen dribbeln zur Platzmitte, holen Hütchen und laufen zurück. Ein Mädchen schnappt sich ein hellgrünes Hütchen, setzt es sich auf den Kopf und zieht ihren Zopf durch die Öffnung. „Die Farbe ist egal, Mädels“, ruft Sampl. Trotzdem muss es für die jungen Kickerinnen natürlich die Lieblingsfarbe sein. Zum Abschluss stellt Sampl mehrere kleine Tore nebeneinander auf. Die Mädchen schießen, jubeln und laufen den Bällen hinterher. Eine kleine Ballkünstlerin beißt sich vor lauter Konzentration auf die Zunge, bevor sie aufs Tor schießt. Sampl beobachtet – und lächelt.

„Ich finde es so schön zu sehen, wie die Mädels wachsen“, sagt sie. Hier spielen sie unter sich. Sampl möchte den Mädchen einen geschützten Raum bieten, in dem sie sich ausprobieren und in ihrem eigenen Tempo entwickeln können. „Leider ist es immer noch ganz normal, dass Jungen Fußball spielen. Für Mädchen ist das immer noch etwas Besonderes. Ich hoffe, das ändert sich bald“, sagt Sampl. „Ich hoffe sehr, dass andere Vereine nachziehen. Dass wir irgendwann auch Mannschaften haben, gegen die wir spielen können.“ Immer mehr Eltern melden ihre Töchter für den Fußballkindergarten an. Wird die Gruppe zu groß, möchte Sampl eine zweite Mannschaft gründen. „Ich wünsche mir, dass jedes Mädchen ein fußballerisches Zuhause bekommt.“ Während sie das sagt, läuft Vaani mit einer Gummibärchenschlange im Mund zu ihrem Vater. Eine kleine Belohnung verteilt Sampl nach jedem Training. Denn am Ende soll vor allem eines bleiben: die Freude am Fußball.

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