Achtung Blaualgen: Immer wieder müssen Seen gesperrt werden. © Trutschel/pa
Eine Abkühlung in der Donau: Eigentlich eine schöne Sache für Hund und Herrchen – doch aktuell besonders bei Kelheim sehr gefährlich. © Thomas Warnack/pa
Kelheim – Die Hitze treibt Mensch und Tier ins Wasser. Doch dort kann es lebensgefährlich werden, gerade für Vierbeiner: Im Landkreis Kelheim sind mehrere Menschen und Hunde nach einem Bad in der Donau erkrankt. Ein Tier ist daran sogar gestorben. Der Verdacht: Blaualgen. Es wird vom Baden in der Donau dringend abgeraten. Kein Einzelfall: Auch am Bodensee, am Altmühlsee und etwa am Ebertshausener See im Kreis Dachau wurden Blaualgen nachgewiesen. Baden ist dort teils sogar verboten.
Blaualgen sind Bakterien, die natürlich in Gewässern vorkommen und bei normaler Konzentration ungefährlich sind. Wenn sie sich jedoch stark vermehren, was bei hohen Temperaturen und nährstoffreichem Wasser passiert, wird es gefährlich. Die Algen produzieren giftige Stoffe, die badende Menschen oder Hunde schädigen können. Zu den möglichen Symptomen gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hautreizungen und Atemnot. Besonders bei kleinen Kindern kann der Kontakt mit Blaualgen lebensgefährlich sein. Auch Hunde können durch das Schlucken oder Lecken von Blaualgen aus dem Fell oder durch das Trinken des Wassers vergiftet werden. Symptome sind vermehrter Speichelfluss, Hecheln, Krämpfe und Erbrechen.
Das Landratsamt Kelheim meldete am Dienstag mehrere Erkrankungsfälle von Hunden, nachdem diese ein Bad in der Donau genommen hatten. „Einer der betroffenen Hunde ist verstorben“, hieß es. „Es ist zum gegenwärtigen Kenntnisstand davon auszugehen, dass die Erkrankungsfälle durch Blaualgenbefall der Donau verursacht worden sein könnten.“ Es sei von einem Befall der Donau auszugehen. Das Gesundheitsamt entnahm mehrere Wasserproben, deren Ergebnisse gestern noch ausstanden. Am Mittwoch dann die nächste Eskalationsstufe: „Beim Gesundheitsamt Kelheim haben sich inzwischen zwei Personen gemeldet, die Symptome einer Blaualgen-Vergiftung mitteilten.“ Sie hatten sich im Rahmen einer Bootsfahrt zwischen Vohburg und Kelheim längere Zeit im Wasser aufgehalten. Und litten hinterher an typischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Die Personen seien zwischenzeitlich wieder genesen.
Die Donau leidet seit Wochen unter einem historischen Niedrigwasser. Die Ausflugsschifffahrt durch den Donaudurchbruch von Kelheim nach Weltenburg wurde eingestellt. Der Frachtschifffahrt stehen zwischen Straubing und Vilshofen nur noch 1,35 Meter Schifffahrtsrinne zur Verfügung – es sollten mindestens 2,50 Meter sein. Die Hotelschifffahrt ist auf diesem Abschnitt eingestellt. Die Wassertemperatur stieg auf über 26 Grad, in Nebenarmen wird das Wasser noch wärmer.
Am Bodensee wurden die Blaualgen bereits am kleinen See bei Lindau nachgewiesen, einem vom restlichen See isolierten Bereich. Das dortige Gesundheitsamt rät deshalb vor dem Baden in diesem Bereich ab. Das gilt auch für zwei Strände des Altmühlsees in Mittelfranken, für die das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen eine Badewarnung herausgegeben hat.
In Oberbayern gibt es derzeit am Ebertshausener See bei Odelzhausen ein Badeverbot wegen Blaualgen – für Mensch und Hund. Die Cyanobakterien wurden dort wiederholt in „reichlicher“ Konzentration nachgewiesen, wie das Wasserwirtschaftsamt München mitteilt. Und gestern warnte die Stadt Dachau auch für den Stadtweiher vor einem Befall.JOHANNES WELTE