Eine Gemeinde geht den Bach runter

von Redaktion

Riesiger Schuldenberg: Der Fall Bad Alexandersbad

Blick auf die sanierte Schlossterrasse mit dem historischen Schloss Alexandersbad in der oberfränkischen Gemeinde im Landkreis Wunsiedel. © Martin Schutt/dpa

Bad Alexandersbad – Knapp 25 Millionen Euro Schulden und nicht einmal 1000 Einwohner: Der Freistaat Bayern hilft der oberfränkischen Gemeinde Bad Alexandersbad, verlangt aber weiterhin einen strikten Sparkurs. Ein Vertreter des Innenministeriums machte deutlich: „Keine bayerische Gemeinde hat finanzielle Probleme in dieser Dimension.“

Der Haushaltsausschuss des Landtags beschloss mehrheitlich, dass der Freistaat einen Kassenkredit von fast zwölf Millionen Euro von einer Bank ablöst und damit zum Gläubiger für die klamme Kommune wird. Die Zinsen auf den Kassenkredit werden bis 2032 gestundet. Die Abgeordneten waren sichtlich bemüht, Bad Alexandersbad nicht wie einen Präzedenzfall aussehen zu lassen. Schließlich sind auch andere Städte und Gemeinden in schwieriger finanzieller Lage. Man wolle die Gemeinde nicht unter Zwangsverwaltung stellen, erläuterte Michael Hofmann (CSU). „Wir geben der Gemeinde eine letzte Chance“, sagte Bernhard Pohl (Freie Wähler). Vertreter von Grünen und SPD kritisierten, sie vermissten eine tragfähige Zukunftsperspektive für den Ort.

In dem Beschluss des Ausschusses wird die Gemeinde aufgefordert, dringend weiter zu sparen, Veräußerungen zu prüfen und auch freiwillige Leistungen auf den Prüfstand zu stellen. Zweimal im Jahr muss die Kommune den Haushaltsausschuss über ihre Bemühungen informieren.

Wie aber konnte es überhaupt soweit kommen? Ronald Ledermüller (CSU) ist seit dem 1. Mai Bürgermeister im Rathaus von Bad Alexandersbad, verfolgt aber die Entwicklung seines Heimatorts schon viel länger. Erst blieben die Kurgäste aus, weil die gesetzlichen Kassen die Kuren nicht mehr finanzierten. Dann machte der Region direkt an der Grenze zu Tschechien der Strukturwandel zu schaffen. Arbeitsplätze brachen weg, Menschen zogen fort. Auch in Bad Alexandersbad schrumpfte die Einwohnerzahl.

2017 wurde das Alexbad eröffnet. Die Kureinrichtung mit Therapiebecken sollte viele Gäste anlocken. Das Problem: Rund um das frisch eröffnete Bad lagen eine Baustelle und ein achtstöckiges marodes Hotel. „Die Gäste konnten gar nicht kommen“, resümierte Ledermüller. Als auch diese Hindernisse schließlich beseitigt waren und es „in die richtige Richtung gegangen“ sei, kam Corona. Als gemeindeeigener Betrieb bekam das Bad keine staatlichen Hilfen, hatte aber keine Einnahmen. „Die Spirale ging los“, sagte Ledermüller.DPA

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