Mit dem Marktmobil bringt Bürgermeister Simon Zimmermann derzeit Schulkinder zur Grund- und Mittelschule in Wolnzach. Mit an Bord: seine Tochter Mathilda. © privat
Wolnzach – Ein Bürgermeister als Schulbusfahrer? In der Marktgemeinde Wolnzach im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm ist genau das derzeit morgendlicher Alltag: Simon Zimmermann (FW) setzt sich vor Dienstbeginn selbst ans Steuer eines Kleinbusses und bringt Kinder zur Grund- und Mittelschule. Der Weg ist ihm vertraut, denn auch seine Tochter Mathilda besucht dort die erste Klasse. Bislang fuhren Vater und Tochter gemeinsam mit dem Fahrrad zum Unterricht. Nun holt Zimmermann an einem Treffpunkt weitere Schüler ab und bringt sie zur Schule. Anschließend fährt er weiter ins Rathaus.
Auslöser für den außerplanmäßigen Fahrdienst sind umfangreiche Bauarbeiten rund um den alten Bahnhof und den neuen Kindergarten. Dort greifen derzeit mehrere große Projekte ineinander: Die Deutsche Bahn modernisiert Gleise und Schranken, das Staatliche Bauamt erneuert eine rund 100 Jahre alte Brücke. Gleichzeitig baut die Gemeinde Straßen aus und erschließt den neuen Kindergarten. Zimmermann spricht von „einer der größten Investitionen und Baumaßnahmen im Ort“.
Besonders betroffen sind Familien in den Wohngebieten westlich des Flusses Wolnzach. Seit Ende Juni ist der gewohnte Schulweg für die dort lebenden Kinder unterbrochen. Durch den Baustellenbereich sei „schlichtweg kein Durchkommen“, sagt Zimmermann; die Umleitung hätte die Strecke auf mehr als das Vierfache verlängert. Der Bürgermeister kennt die Situation aus eigener Erfahrung, denn auch seine Familie lebt in dem betroffenen Viertel. Deshalb handelte er schnell und machte das Marktmobil, einen Kleinbus, den sonst örtliche Vereine ausleihen können, kurzerhand zum Schulbus.
Unterstützung bekommt Zimmermann von einem Mitarbeiter des Bauhofs, der sich ebenfalls als Fahrer bereit erklärt hat. Deshalb sind morgens zwei Kleinbusse unterwegs. Wenn das Marktmobil vergeben ist, nutzt die Gemeinde ersatzweise den Mannschaftsbus der Feuerwehr. Weil der Fahrdienst kostenlos angeboten wird, ist kein Personenbeförderungsschein nötig. Am Nachmittag übernehmen die Eltern: Da der Unterricht zu unterschiedlichen Zeiten endet, organisieren sie Fahrgemeinschaften für den Heimweg.
Zimmermann gewinnt der zusätzlichen Runde am Morgen durchaus etwas ab. „Ein Bürgermeister hat ja dahingehend keine klassische Stellenbeschreibung“, sagt er. „Aber Bus fahren werden, denke ich, die wenigsten.“ Für ihn sei der Einsatz trotzdem ein „netter und abwechslungsreicher Start“. Zugleich gebe ihm die Fahrt die Gelegenheit, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen.
Bis zum Ende des Schuljahres soll der Fahrdienst bestehen bleiben. Zum Start des neuen Schuljahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Danach soll der Bereich für Kinder und Anwohner nach Zimmermanns Worten „schöner, besser und vor allem sicherer“ werden.