Die Zahlen für Deutschland: Der Trend geht nach unten. © afp
Auf der Baustelle: zwei Dachdecker im Einsatz. © Matzel/IMAGO
München/Starnberg – Wohnungen sind rar. Bezahlbare ganz besonders. In München und dem Speckgürtel um die Landeshauptstadt macht das die Suche nach einer neuen Bleibe für viele zur Tortur. Und die neuesten Zahlen des Landesamts für Statistik machen wenig Hoffnung. In Bayern sind im vergangenen Jahr 47.359 Wohnungen fertiggestellt worden – und damit 13,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die oberbayerische Bilanz fällt besonders dürftig aus: Hier wurden voriges Jahr sogar 25 Prozent weniger Wohnungen bezugsfertig gemeldet als im Vorjahr. Ein massiver Einbruch.
In manchen Landkreisen wird das Dilemma besonders deutlich: In Starnberg etwa entstanden voriges Jahr nur 210 neue Wohnungen. Diese Zahl teilt sich auf unterschiedliche Wohnhausarten auf – in 108 Einfamilienhäuser, 56 Wohnungen in Doppelhäusern, sowie 46 in Mehrfamilienhäusern. Das heißt: Drei Viertel aller fertiggestellten Wohnungen sind Einfamilienhäuser. Auffällig: Die insgesamt zehn Mehrfamilienhäuser mit durchschnittlich 4,6 Einheiten entstanden bloß in vier Gemeinden: Starnberg, Gauting, Gilching und Pöcking. In Berg, Andechs, Seefeld und Wörthsee wurden 2025 ausschließlich Einfamilienhäuser fertiggestellt. Neuer Wohnraum für Menschen mit kleinerem Einkommen? Fehlanzeige.
Und das ist nicht nur in der eigentlich so wohlhabenden Starnberger Region so. Die Nachbarlandkreise München und Fürstenfeldbruck sind ebenfalls Schlusslichter, wie eine Karte des Landesamts für Statistik zeigt. Während die Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen schwarz gefärbt sind, weil dort im vergangenen Jahr 50 oder mehr Wohnungen auf je 10.000 Einwohner fertiggestellt worden sind, sind Starnberg, München und Fürstenfeldbruck alarmierend gelb. Nur zwischen zehn und 20 neue Wohnungen kommen dort auf 10.000 Einwohner. Zum Vergleich: 248 neue Wohnungen gab es im Kreis Fürstenfeldbruck. 517 im dicht besiedelten Kreis München.
Woran das liegt? Natürlich sind die Grundstückspreise im Münchner Speckgürtel besonders hoch. Aber das schon seit vielen Jahren. Neu ist, insbesondere seit der Pandemie, dass auch die Baukosten immer weiter in die Höhe schießen. Die Preissteigerungen seit 2020 liegen laut Sascha Assmann, Geschäftsführer der Immobilien- und Versicherungssparte der VR-Bank Starnberg-Zugspitze, teils zwischen 30 und sogar über 60 Prozent. Besonders die Preise für Dämmstoffe, Fenster, Stahl, Holz sowie technische Gebäudeausstattung treiben die Baukosten in die Höhe.
Das trifft nicht nur die Familien, die sich ihr Einfamilienhaus nicht mehr finanzieren können. Für Mehrfamilienhäuser braucht es Investoren. Und die sind angesichts gestiegener Finanzierungskosten und unsicherer Marktperspektiven deutlich zurückhaltender geworden, wie Thomas Schmid, Geschäftsführer beim Landesverband Bayerischer Bauinnungen für Oberbayern, erklärt. Viele Wohnbauprojekte seien schlicht wirtschaftlich nicht mehr rentabel.
Steckt Oberbayern also in der Baukrise? „Diese Bezeichnung ist durchaus gerechtfertigt“, sagt Schmid. Der Wohnungsbau befinde sich seit mehreren Jahren in einer „ausgeprägten Schwächephase“. Und eine Frühjahrsumfrage der bayerischen Bauinnungen ergab: Fast die Hälfte aller Mitgliedsunternehmen sieht die Lage für dieses Jahr noch schlechter als im Vorjahr.
Die Bauwirtschaft drängt deshalb auf politische Maßnahmen: Etwa auf schnellere und digitalisierte Genehmigungsverfahren, verschlankte Bauvorschriften, besser planbare Fördermaßnahmen, eine stärkere Mobilisierung von Bauland – und einen Verzicht auf die Grunderwerbssteuer beim Erstkauf. „Gerade in Oberbayern“, sagt Schmid, „besteht hier erheblicher Handlungsbedarf.“GMA/SCO/DG