KOLUMNE

Selber denken

von Redaktion

Vor 209 Jahren ist Jane Austen mit 41 Jahren im englischen Winchester gestorben. Die Schriftstellerin schrieb Gesellschaftsromane. Viele von ihnen wurden verfilmt. „Stolz und Vorurteil“, ein Klassiker der englischen Literatur, ist einer davon. Bekannt sind auch „Emma“, „Verstand und Gefühl“ oder „Mansfield Park“ – in der Filmversion immer mit fantastischen Schauspielern besetzt. Colin Firth, Emma Thompson, Hugh Grant, Kate Winslet, Matthew Macfadyen, Gwyneth Paltrow, Ewan McGregor, Maggie Smith, Adrian Lukis …. Ein Who’s who des Kinos.

Jane Austen schildert oft junge Frauen, die in Schwierigkeiten geraten. Sie machen Lernprozesse durch, in denen sie begreifen, wer sie sind und was sie wirklich wollen. Am Ende heiraten sie klugerweise nicht den Mann, den sie wegen des Geldes ins Visier genommen hatten. Sondern den, den sie lieben. In der Zeit Jane Austens brachte eine vorteilhafte Heirat junge Frauen in der Gesellschaft vorwärts – nicht etwa eigener Erfolg. Berufliche Karriere war den Mädchen versagt.

Sie konnten, so sagen Historikerinnen, bestenfalls Lehrerin oder Prostituierte werden. Keine große Auswahl. Kam die Partie mit einem angesehenen Mann nicht zustande, musste die Frau zusehen, dass sie einigermaßen betuchte Verwandte fand, bei denen sie unterkommen konnte. Jane Austen begann mit zwölf Jahren zu schreiben. Bis zu ihrem 18. Lebensjahr hatte sie bereits drei Bücher verfasst, in denen sie sich satirisch mit den damaligen literarischen und gesellschaftlichen Konventionen befasste.

Ihr Vater, anglikanischer Pfarrer, unterstützte die literarischen Bestrebungen seiner Tochter – das siebte von acht Kindern. Jane Austens Bücher sind keine Schmonzetten. Sie zu lesen, unterstreicht auch nach 200 Jahren ganz zeitgemäß, auf was Frauen sich konzentrieren sollten. Jedenfalls nicht auf Äußerlichkeiten wie Figur, Haare und Nägel – genauso wenig wie auf Mode und Styling, selbst wenn ihnen das Influencerinnen beständig ins Gehirn trommeln. Auch die Jagd nach einem finanzstarken Vorzeigemann ist kein Lebensziel.

Jane Austen ist ein Role Model: scharfsinnig, mit eleganter, kritischer und pointierter Feder. Eine Autorin, die soziale Verhältnisse beleuchtet, tiefe Menschenkenntnis besitzt und hinreißend ironisch ist. Eine, die weiß, dass wahre Emanzipation zu jeder Zeit neu notwendig ist. Eine Frau sollte ihre geistigen Fähigkeiten ausbilden und ihre Talente für sich und andere einsetzen. Damit sie, ob alleinstehend oder glücklich „verbandelt“, selbstständig ist und ein eigenständiger Geist bleibt.

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