Um drei unterkühlte Tschechen musste sich die Bergwacht am Goldbründl kümmern. © Leitner/BRK
Ramsau – Urlaubszeit, Sommerwetter – für die Bergwacht bedeutet das meist mehr Einsätze als sonst. Die Retter aus Ramsau mussten seit Freitag vor einer Woche insgesamt 16 Mal ausrücken, um 27 Menschen in Notlagen zu helfen. Viele Wanderer hatten sich verletzt und mussten deshalb den Notruf wählen. Allein drei gebrochene Sprunggelenke tauchen in der Bilanz der letzten Tage auf. Aber auch geprellte Handgelenke, ein Fahrradsturz und eine junge Frau aus Wien, die internistisch erkrankt war.
Einige Wanderer hatten sich aber schlichtweg über- oder ihre Touren unterschätzt. Eine vierköpfige Familie mit zehn und zwölf Jahre alten Kindern war an der Reiteralpe vom Starkregen überrascht worden und konnte nicht mehr allein absteigen. Eine vierköpfige Gruppe hatte sich mit der Watzmann-Überschreitung zu viel vorgenommen. Die Wanderer wählten Samstag um 22.30 Uhr den Notruf am Goldbründl, weil ein Oberfranke völlig erschöpft war. Er wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Tal geflogen, die drei anderen Bergsteiger waren ebenfalls erschöpft, konnten aber noch gemeinsam mit den Bergrettern absteigen. Zwei Tage zuvor mussten am Goldbründl bereits drei unterkühlte und dehydrierte Tschechen gerettet werden. Die Einsatzkräfte mussten aber zuerst ein Gewitter abwarten, bevor sie ausrücken und die Wanderer vom Watzmann holen konnten. Auch eine Bergsteigerin aus Niedersachsen musste am Goldbründl im Südspitz-Abstieg gerettet werden, sie hatte sich am Sprunggelenk verletzt und kam nicht mehr weiter.
Der Watzmann ist für die Bergwacht Ramsau immer wieder ein Einsatzschwerpunkt. Die große Höhendifferenz, die weiten Wege und der alpine Charakter bringen wenig erfahrene, nicht schwindelfreie und konditionsschwächere Bergsteiger insbesondere im Abstieg über die Südspitze häufig an ihre Grenzen. Gerade in der Hochsaison müssen die Retter häufig nachts ausrücken. „Eine lückenlose Tourenplanung ist für ortsunkundige Alpinisten am Watzmann unerlässlich“, betont der Bereitschaftsleiter Michael Renner. Beim Einstieg in die Gratüberschreitung auf dem Hocheck müsse jeder entscheiden, ob er für den weiteren Aufstieg genug Energie und Zeit habe. „Auch die aktuell von Gewittern und Starkregen geprägten Wetterverhältnisse spielen eine große Rolle.“
Gerade die Watzmann-Überschreitung sei ein bekannter Klassiker, von dem in Sozialen Medien viele Fotos kursieren, sagt ein Sprecher der Bergwacht Ramsau. Die Tour wirke bei Profis einfacher und werde natürlich von ihrer schönsten Seite gezeigt. Das spreche viele Menschen an. „So kommen sie erst auf die Idee, etwas zu machen, das sie sonst nie angedacht hätten.“
Auch Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern, weiß, dass Fotos im Internet schnell suggerieren können, dass alles verfügbar und erreichbar sei. „Das ist aber nicht neu – Bilder motivieren zu Touren, seit es Fotos gibt“, betont er. Die Herausforderung sei es, für sich selbst richtig einzuschätzen, welchen Touren man gewachsen ist. Die Bergwacht appelliert an alle, sich schrittweise an große Gipfel heranzuwagen. Denn: „Bergsteigen lernt man nicht am Bildschirm“, betont Ampenberger. „Man muss rausgehen.“ Meist kommen einige Faktoren zusammen, die eine Bergrettung nötig machen, erklärt er. Schlechtes Wetter, man kommt langsamer voran als gedacht. „Auch Profis können Fehler passieren“, betont Ampenberger. „Und Not ist immer etwas Subjektives.“
Auch wenn es für diese Jahreszeit nicht außergewöhnlich viele Einsätze sind, für die Retter der Bergwacht sind es dennoch harte Tage. Alle sind ehrenamtlich im Einsatz. Einige von ihnen waren nachts am Berg und mussten am nächsten Morgen normal zur Arbeit. Trotzdem sind sie froh, wenn Wanderer anrufen, weil sie Hilfe brauchen – und bevor ein Unfall passiert.