Ein Sprengstoff-Rucksack und viele offene Fragen

von Redaktion

Selbstmordanschlag von Ansbach jährt sich

Norbert Imschloß in seinem Weinlokal. © Karmann/dpa

Ansbach – Jedes Jahr kurz vor dem 24. Juli kommen die Bilder bei Norbert Imschloß wieder hoch. Eigentlich immer an seinem Geburtstag etwa zwei Wochen vorher. „Da denke ich, eigentlich habe ich zwei Geburtstage. Drei, vier Sekunden später, da wäre ich tot gewesen“, erzählt der Wirt. Am 24. Juli 2016 erschütterte eine Explosion den Garten seines Weinlokals in Ansbach. Es war der Anschlag eines Syrers, dessen eigentliches Ziel offenbar ein Musikfestival in der Innenstadt war. Der junge Mann sei ihm aufgefallen, weil er vor seinem Lokal hin- und hergelaufen sei, sagt der heute 69-Jährige. Der Mann habe seltsam geguckt und sich über seinen Rucksack gebeugt. „Ich war am Eingang vom Haus, also praktisch vier, fünf Meter weg.“ Dann kam der Knall.

Die später von Medien als „erster islamistischer Selbstmordanschlag auf deutschem Boden“ deklarierte Tat gehört zu einer Welle der Gewalt, die vor zehn Jahren ganz Europa ergriff. Dass in Ansbach nur der 27-jährige Attentäter selbst und nicht zahlreiche Festivalbesucher ihr Leben lassen mussten, ist wohl zum Teil dem Dilettantismus des Täters geschuldet. Zudem waren die Behörden in Habachtstellung – die Sicherheitsvorkehrungen waren verschärft worden. Der Mann war als syrischer Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Nachgewiesen wurde eine Verbindung zum Terrornetzwerk „Islamischer Staat“ (IS), das die Tat später für sich vereinnahmte. Sicher ist aber nicht einmal, ob der Suizid überhaupt beabsichtigt war. Ermittlungsergebnisse macht die Bundesanwaltschaft bis heute nicht öffentlich.

Ans Aufhören habe er nach dem Anschlag nie gedacht, erzählt Gastwirt Imschloß. Dass so etwas wieder in seinem Garten passieren könnte, glaubt er nicht. Größere Sorgen bereite ihm, dass seit einigen Jahren rund um den 24. Juli Mitglieder der AfD versuchten, am Anschlagsort Blumen niederzulegen, um der Opfer zu gedenken. „Das Ganze wird von Leuten, die keine Ahnung haben, ideologisch ausgenutzt.“ DPA

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