Lucia und Ben Blanke aus Lenggries. © Arndt Pröhl
In den Pausen ist die Aula des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums kaum wiederzuerkennen. Zwischen Fünftklässlern und Abiturienten wird getauscht, verglichen und diskutiert, welche Karte noch in der Sammlung fehlt. Doch die Motive zeigen keine Fußballstars, sondern die eigenen Lehrer. Hinter dem ungewöhnlichen Sammelfieber stehen die Zwillinge Ben und Lucia Blanke aus Lenggries. Die beiden 18-Jährigen gehen seit der ersten Klasse gemeinsam zur Schule, teilen ihren Freundeskreis und engagieren sich als Stufensprecher. „Wir machen absolut alles zusammen“, erzählt Lucia Blanke. „Die Idee reifte schon vor einem Jahr auf TikTok, aber der Weg bis zur fertigen Karte war ein großer Aufwand“, sagt Lucia Blanke. Mehr als 100 Arbeitsstunden steckten die Geschwister in das Projekt. Sie entwarfen das Design, entwickelten Kennfarben für die Fächer, sprachen mit der Schulleitung und überzeugten das Kollegium. Zudem gingen sie mit rund 2000 Euro für den Druck in Vorleistung. „Das war für uns als Schüler natürlich ein wirtschaftliches Wagnis“, sagt Ben Blanke.
Das Risiko hat sich ausgezahlt. Die Abikasse nahm knapp 4000 Euro ein. Fünf Karten kosten 2,50 Euro. Die Zwillinge verpacken jede Bestellung selbst. Die Karten sind nicht nur zum Sammeln gedacht, sondern können auch als Quartett gespielt werden. Die Grundlage bilden Datenblätter, die die Lehrer selbst ausgefüllt haben. Darauf finden sich humorvolle Angaben – etwa zum Kaffeekonsum oder zur Qualität des eigenen Tafelbilds. Manche Antworten sorgen für Lacher. „Ein Lehrer trug unter Lieblingssnack den Namen eines Kollegen ein“, erzählt Ben Blanke. Die Schüler können zwischen drei Kategorien wählen: normale, seltene und legendäre Karten. Die seltenen Exemplare sind golden gestaltet, die legendären zeigen Lehrer von einer ungewohnten Seite – etwa mit Grimassen oder im Faschingskostüm. „Es ist großartig, die Lehrer mal von einer ganz anderen, nahbaren Seite kennenzulernen“, sagt Ben Blanke. Auch Schulleiter Holger Küst verfolgt die Aktion mit Freude. Besonders gefällt ihm, dass die Schüler ihr Geld für ein Projekt an der eigenen Schule ausgeben – „und nicht für Herrn Gianni Infantino“. Mittlerweile gehen die Karten über das reine Sammeln hinaus. Schüler lassen sie von Lehrern unterschreiben. „Auf diese Weise haben einige Kollegen ganz neue Schüler kennengelernt“, sagt Küst. Rund drei Viertel des Kollegiums macht mittlerweile mit. Für Lucia Blanke ist das der wichtigste Erfolg: „Neben dem reinen Spaß führt die Aktion im Schulalltag zu einer Verbesserung der Lehrer-Schüler-Beziehung.“FELICITAS BOGNER