von Redaktion

Es war früh am Morgen, und ich watschelte vor mich hin, bis ich plötzlich stehenblieb. Quer über den Pfad zog sich eine lange, dunkle Linie. Ich blinzelte. Die Linie bewegte sich. Ich beugte mich vor und schaute genauer hin. Hunderte winziger Ameisen liefen in einem perfekten, ununterbrochenen Strom von links nach rechts, alle in dieselbe Richtung, alle im gleichen Abstand, alle ohne anzuhalten. Eine nach der anderen, wie kleine schwarze Perlen auf einer unsichtbaren Schnur. „Ulrich!“, quakte ich. „Warum laufen die alle in einer Reihe?“ „Weil sie nicht anders können“, krächzte der Waldkauz. „Das ist keine Antwort“, schnatterte ich. „Nein“, gab Ulrich zu, „ich weiß es nicht.“

Da tauchte Agnes auf und erklärte, dass Ameisen weder sprechen noch eine Karte besäßen, und trotzdem immer den Weg fänden, hin zur Nahrung und zurück zum Nest. Das Geheimnis liege im Duft. Wenn eine Ameise laufe, hinterlasse sie eine unsichtbare Duftspur auf dem Boden, einen sogenannten Pheromonstoff. Die nächste Ameise rieche diese Spur und folge ihr, und hinterlasse dabei selbst wieder eine. Je mehr Ameisen eine Spur benutzten, desto stärker rieche sie, und desto mehr Ameisen folgten ihr. Der kürzeste, beste Weg zum Futter werde so automatisch zur stärksten Spur. „Keine Anführerin, die ruft: Alle hierher?“, quakte ich staunend. „Keine“, sagte Agnes. „Jede Ameise entscheidet selbst, aber alle zusammen ergeben ein perfektes System. Das nennt man Schwarmintelligenz.“

Eure Paula

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