München – Die Wortwahl von Mustafa Öz ist deutlich: „Bayern steht vor einem Milch-Blackout“, teilt der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die Produktion von Milchprodukten werde landesweit in mehreren Betrieben und vor allem auch für längere Zeit zum Stillstand kommen, als das bislang jemals bei Warnstreiks der Fall war.
Hintergrund ist ein Tarifstreit in der Milchwirtschaft, betroffen sind 19.000 Mitarbeiter. „Die Tonnen an Milch, die in Bayern verarbeitet werden, werden mehr. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Beschäftigten in den meisten Betrieben konstant oder sie sinkt sogar. Das bedeutet für die Beschäftigten mehr Arbeit – und das für viele frühmorgens, spätabends, nachts und auch am Wochenende. Denn die Milchverarbeitung läuft im 24-Stunden-Schichtsystem“, sagt Mustafa Öz. Die Mehrbelastung gehe bereits seit Jahren so: Die Arbeitszeitkonten seien „randvoll“. Die NGG fordert 4,1 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten und zusätzlich eine Zahlung im Wert von fünf Arbeitstagen „zur flexiblen Nutzung“ – die soll zur Entlastung in Freizeit umgewandelt werden können. Azubis sollen 80 Euro mehr Gehalt erhalten.
Die Arbeitgeber lehnen die Forderungen ab, das aktuelle Angebot liegt laut NGG bei 2,1 Prozent mehr Lohn für 13 Monate. Susanne Glasmann, Geschäftsführerin des Verbands der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft, ist Mitglied der großen Tarifkommission und sagt: „Wir haben das Ziel, einen fairen Abschluss zu erreichen.“ Allerdings sei Augenmaß nötig. Die Arbeitsplätze müssten langfristig gesichert werden, die Betriebe wettbewerbsfähig bleiben.
Schon vorigen Montag hatten Beschäftigte von Bayernland in Bayreuth die Arbeit niedergelegt. Laut Gewerkschaft NGG finden „sehr wahrscheinlich“ in dieser Woche weitere Arbeitskämpfe in Bayern statt. Am Donnerstag ist in Rosenheim eine Kundgebung geplant. Susanne Glasmann geht nicht davon aus, dass Milch und Butter im Supermarkt streikbedingt knapp werden. Schließlich seien die Molkereien vertraglich verpflichtet, den Landwirten die Milch abzunehmen. Und: „Es gibt in Bayern genügend Möglichkeiten, die Milch zu verarbeiten.“ Die Betriebe würden zusammenhelfen – viele seien nicht tarifgebunden.CAZ