Italo: Bernreiter fürchtet „Rosinenpickerei“

von Redaktion

Sorge um ICE-Halte Ingolstadt und Bamberg – Im Nahverkehr droht Zug-Abbestellung

Mit blauen Fernverkehrszügen will Italo 2028 in Deutschland starten. © Grafik: Italo Holding

München – 2028 könnten Fernzüge des italienischen Bahnunternehmens Italo auf deutschen Strecken fahren. München–Berlin und München–Köln sind angekündigt. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) ist über diesen Plan höchst beunruhigt. Er kündigte gestern eine Bundesrats-Initiative „zur Sicherung der Fernverkehrshalte und des Schienenpersonennahverkehrs“ an.

Hintergrund: Bernreiter befürchtet „Rosinenpickerei“, weil Italo nur auf lukrativen Strecken zwischen Millionenmetropolen fahren will. Den Weg dafür hat vergangene Woche die Bundesnetzagentur frei gemacht, die verfügte, dass die DB InfraGo Mindestkontingente von 25 bis 40 Prozent für Konkurrenten des deutschen ICE vorsehen muss. Italo kündigte daraufhin den Kauf von 26 Hochgeschwindigkeitszügen beim deutschen Hersteller Siemens Mobility an (wir berichteten).

Eine Theorie: Wenn Italo zur Hauptverkehrszeit fährt, könnten dafür im Gegenzug Verstärkerzüge im Regionalverkehr gestrichen werden. Denn diese zählen nicht zum Taktverkehr und sind daher nicht geschützt. Fernverkehr muss aus Sicht von Bernreiter nicht nur große Metropolen verbinden, sondern auch mittelgroße Städte wie Bamberg oder Ingolstadt. „Ich bedauere, dass weder meine Bedenken noch die vieler anderer Stimmen und Stellungnahmen bei der Bundesnetzagentur Gehör gefunden haben“, erklärte Bernreiter gestern. Er schlägt nun vor, „notfalls“ müsse der Bund den Fernverkehr künftig bestellen und Haltestellen und Frequenzen vorschreiben – ähnlich wie heute schon Regionalzüge und S-Bahnen. Zudem müsse geregelt werden, dass Fahrgäste mit einem Fernverkehrsticket etwa im Verspätungsfall von einem auf den anderen Anbieter ohne Mehrkosten wechseln dürften.

Zudem droht dem Nahverkehr aktuell das Geld auszugehen. Denn die Bundesnetzagentur musste nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes die Trassenpreise um neun Prozent erhöhen, wie sie am Mittwoch bekannt gab. Entlastet werden im Gegenzug Fern- und Güterverkehr. Auf den Nahverkehr kommen nun bundesweit 400 Millionen Euro Mehrkosten zu, warnte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Victoria Broßart aus Rosenheim. Sie warnte: „Jetzt drohen überall Abbestellungen.“ Der Bund müsse die Mehrkosten übernehmen.DW

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