von Redaktion

Es war ein warmer Sommerabend, und ich entdeckte am Himmel kleine Gestalten, die im Zickzack lautlos über das Wasser glitten. Zu klein für Vögel, zu schnell für irgendetwas anderes, das ich kannte.

„Was sind das?“, schnatterte ich laut. „Fledermäuse“, sagte eine Stimme über mir. Ich schaute nach oben. Waldkauz Ulrich krächzte, in seiner Baumhöhle hingen seit neuestem drei von ihnen, einfach so, ohne zu fragen, kopfüber in der hintersten Ecke. Schlafend. Als gehöre ihnen die Höhle. „Kopfüber?“, quakte ich fasziniert. „Warum schlafen die kopfüber? Fallen die nicht runter?“ Ulrich erklärte, dass die Beine der Fledermaus so zierlich gebaut sind, dass sie kaum Gewicht tragen könnten. Auf einem Ast sitzen wie ein ordentlicher Vogel sei für eine Fledermaus schlicht unmöglich.

„Also hängen sie lieber kopfüber?“, quakte ich. Ulrich nickte. Aber es sei noch cleverer als das, fuhr er fort. Die Krallen einer Fledermaus funktionierten nämlich genau umgekehrt, als man denkt. Im entspannten Zustand sind sie geschlossen: Die Fledermaus muss also gar keine Kraft aufwenden, um sich festzuhalten. Erst wenn sie die Muskeln anspannt, öffnet sie die Krallen. „Das klingt sehr praktisch.“ „Und es gibt noch einen weiteren Vorteil“, krächzte Ulrich. Wenn eine Fledermaus aufwache und losfliegen wolle, müsse sie sich nur loslassen. Der Fall gebe ihr sofort genug Schwung für die ersten Flügelschläge. Kein Abspringen, kein Anlaufen. Einfach loslassen und fliegen.

Eure Paula

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