Bei Bayerns Naturfreunden herrschen raue Sitten: Nach den Jägern haben nun auch die Fischer ihren Präsidenten davongejagt – und das auf höchst unfeine Weise. Fischer-Chef Axel Bartelt erfuhr im Griechenlandurlaub von seinem Rauswurf, per Brief von seinen sieben Bezirkschefs. Bei einem geselligen Beisammensein kurz vor seiner Abreise hatte noch keiner der Rebellen den Mut und den Anstand, ihrem (angeblich zu „autokratisch“ agierenden) Vorsitzenden die Wahrheit zu sagen.
Das war, um es milde auszudrücken, feige und stillos. Doch dass an der Intrige hinter den Kulissen auch hohe CSU-Kreise Gefallen fanden, macht die Sache zum Politikum. Ministerpräsident Markus Söder und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hatte es offenbar missfallen, dass der langjährige Stoiber-Intimus Bartelt den Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger mit viel Tamtam in die schrecklich nette Fischerfamilie aufgenommen hatte. Die ist mit ihren 140.000 Mitgliedern eine Macht in Bayern. Und die alte Staatspartei reagiert allergisch, wenn die politische Konkurrenz in Verbänden wildert, die sie immer noch als ihren politischen Vorhof betrachtet.
Erst 2023 war der untadelige und auch in der CSU gut verdrahtete Bartelt mit 96 % zum Fischerpräsidenten gewählt worden. Mit seiner etwas sperrigen Art nervte er bald manche im Verband. Doch zum Verhängnis wurde ihm ein verbandsintern unabgestimmter Brief vom Oktober 2025 an Söder, in dem er, was manche im Verband zum „Skandal“ stilisierten, um mehr Hilfe (und Geld) zum Schutz der heimischen Fischarten bat. Der Ministerpräsident hielt, ungewöhnlich genug, das Schreiben einer Antwort nicht für würdig. Auch Kaniber stand für ein Gespräch oder Auskünfte nicht zur Verfügung. Die erhielt Bartelt nun auf andere Weise – mit der Aufforderung, sein Amt unverzüglich niederzulegen. Was er an diesem Freitag, von dem Streit schwer gezeichnet, getan hat. Die CSU wird ihre Hände selbstverständlich in Unschuld waschen.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET