Eine Bluttat aus dem Nichts

von Redaktion

Messer-Angriff in Regensburger Bank: Raub als Motiv? – Täter 24 Stunden vorher in Gewahrsam

Am Tag nach der Messer-Attacke: Ein Mann legt Blumen vor der Bankfiliale nieder.

Der Großeinsatz am Donnerstagabend. © Tschepljakow/dpa

Auf dem Weg zum Haftrichter: Der mutmaßliche Angreifer von Regensburg war in der Vergangenheit wegen kleinerer Delikte aufgefallen. © Armin Weigel/dpa (2)

Regensburg – Nach der tödlichen Messerattacke in einer Bank im Regensburger Westen sitzt der 20 Jahre alte deutsche Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Er steht in Verdacht, tags zuvor einen Bankmitarbeiter mit mehreren Messerstichen so schwer verletzt zu haben, dass er wenig später im Krankenhaus starb. Laut „Bild“ soll es sich bei dem Opfer um den Leiter der Hypovereinsbank-Filiale handeln. Der Haftbefehl lautet unter anderem auf Mord aus Habgier und ein versuchtes Raubdelikt.

Das Motiv des Mannes für die Bluttat sei noch weitgehend unklar, sagte der Leiter der Kripo Regensburg, Robert Fuchs. Er habe in der Bank ein Messer und einen Zettel in der Hand gehabt, auf dem sinngemäß gestanden habe, dass er einen Bankraub vorhabe und Geld erbeuten wolle. Es habe sich jedoch um eine bargeldlose Filiale gehandelt, die Aussicht auf Beute habe von vornherein nicht bestanden.

Für den 20-Jährigen bestand bereits seit geraumer Zeit ein Waffenbesitzverbot, weil er in der Vergangenheit unerlaubt mit einem Messer und einem Elektroschocker angetroffen worden war. Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Verdächtigen gebe es derzeit nicht. Er werde jedoch entsprechend untersucht.

Der 20-Jährige hatte sich nach dem Messerangriff zunächst in einem Büroraum der Bankfiliale verschanzt. Währenddessen sei es der Polizei gemeinsam mit Kunden und Mitarbeitern der Bank gelungen, das Opfer zur weiteren Versorgung durch ein Fenster auf den Bürgersteig neben das Gebäude zu bringen. Zwei weitere Bankmitarbeiter konnten befreit werden. Zu Beginn der Tat hatten sich auch Kunden in der Bank befunden, darunter ein junges Ehepaar samt Kleinkind, wie die Ermittler weiter mitteilten.

Bei dem tödlichen Angriff nutzte der Täter Ermittlungen zufolge ein Küchenmesser mit zwölf Zentimeter langer und zwei Zentimeter breiter Klinge. Spezialkräfte konnten den 20-Jährigen noch in der Bank festnehmen – drei Stunden nach Bekanntwerden der Tat. Widerstand habe der Mann nicht geleistet. Er habe sich in der Toilette befunden, sagte Kripo-Chef Fuchs. Dort in der Nähe sei auch die Tatwaffe gefunden worden. „So wie es für uns ausschaut, ist sie auch saubergemacht worden.“ An dem Polizeieinsatz seien 372 Einsatzkräfte beteiligt gewesen. Die ersten Einsatzkräfte seien nur vier Minuten nach zwei fast zeitgleich eingegangenen Notrufen bei der Bank gewesen.

Der junge Angreifer sei polizeibekannt und weniger als 24 Stunden vor der Bluttat noch in Polizeigewahrsam gewesen. Er habe sich selbst stellen wollen, weil er angeblich eine Bierflasche auf ein Polizeigelände geworfen hatte. Nach Prüfung des Geschehens sei der zu diesem Zeitpunkt leicht alkoholisierte Mann wieder freigelassen worden. Es hätten keine Haftgründe vorgelegen.

In der Vergangenheit war er mehrfach durch kleinere Delikte wie etwa Sachbeschädigungen aufgefallen, sagte Fuchs. Unter anderem sei er mehrfach als vermisst gemeldet worden, weil er in eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung nicht zurückgekehrt war. Ob er am Tag der Tat alkoholisiert war oder unter Drogeneinfluss stand, war zunächst nicht bekannt. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung habe die Polizei keine Drogen gefunden.

Die Belegschaft der Hypovereinsbank trauert nun um ihren Kollegen. „Wir sind zutiefst bestürzt über den Verlust eines unserer Kollegen infolge dieses tragischen Vorfalls“, teilte die HVB mit. Am Tag nach dem Angriff drückten Menschen an der Filiale ihre Trauer aus, indem sie Blumen ablegten und Kerzen aufstellten.MM/DPA

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