Axel Bartelt, Präsident der bayerischen Fischer seit 2023, beim Interview. © Marcus Schlaf
Wenn am heutigen Samstag der Landesfischereiverband zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in den Münchner Nockherberg lädt, dann ohne seinen Präsidenten: Axel Bartelt (70), seit gut drei Jahren Chef der Fischer, legt sein Amt nieder. Zu den Gründen äußert er sich im Interview mit unserer Zeitung.
Herr Bartelt, Sie haben einen Brief an die Mitglieder geschrieben, der ein Resümee Ihrer Präsidentschaft enthält. Verstehen wir Sie richtig, Sie treten nun zurück?
Ich lege mein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Das ist der letzte Dienst, den ich dem Landesfischereiverband erweisen kann. Ich will nicht, dass es bei den Fischern genauso kracht wie damals bei den Jägern. Natürlich könnte ich mich auf das Niveau derer begeben, die die Intrige angezettelt haben. Das ist aber nicht mein Stil. Ich möchte nicht im Streit gehen, sondern ein gutes Zeichen setzen, wie man miteinander umgehen sollte – und wie nicht.
Sie spielen auf den Brief der sieben Bezirkspräsidenten an, die Sie zum Rücktritt aufgefordert hatten?
Dieser Brief, von dem alle Tage vorher wussten, nur ich nicht, erreichte mich einen Tag nach Antritt meines lang angekündigten Urlaubs in Griechenland. Das hat mich menschlich erschüttert. Man kann nicht am Abend, bevor man einem den Dolch in den Rücken stößt, gemeinsam ein Bier trinken und dem Betroffenen einen schönen Urlaub wünschen – wohl wissend, dass da dann die Rücktrittsaufforderung kommt. Das war niederträchtig und unanständig. Genauso das Durchstechen an die Presse.
In dem Brief wird Ihnen ein „autokratischer Führungsstil“ vorgeworfen. Wie sehen Sie das?
Ich bin natürlich geprägt von meinem persönlichen Werdegang. Ich war persönlicher Referent des damaligen Ministerpräsidenten Stoiber, war Protokollchef der Staatskanzlei und war acht Jahre Regierungspräsident der Oberpfalz. Die Fischer, die mich vor dreieinhalb Jahren mit 96 Prozent gewählt haben, wollten einen führungsstarken Chef. Sie wollten jemanden, der politisch vernetzt ist. Sie haben gewusst, wen sie einkaufen. So habe ich in unseren Präsidiumssitzungen darauf gedrängt, dass einer nach dem anderen zu Wort kommt und dass nicht rumgeschrien wird wie es früher oft der Fall war. Wenn das autokratisch sein soll, na gut, dann bin ich eben autokratisch. Ich bin sicher nicht fehlerfrei, das gestehe ich gerne ein und ich bin auch jemand, der hohe Ansprüche gegen sich selbst, aber auch gegenüber anderen hat.
Auslöser des Streits war offensichtlich ein Brief, den Sie im Oktober 2025 an Ministerpräsident Söder geschrieben haben. Darin schlugen Sie eine „Arche Noah“ für bedrohte Fischarten vor. Ihr Vizepräsident Stier hat Ihnen dann Eigenmächtigkeit vorgeworfen, weil das Schreiben nicht abgestimmt und insgesamt ein Skandal sei.
Das war ein starker Vorwurf. Es wurde dann kolportiert, ich würde damit bewusst die Arbeit der zuständigen fischereilichen Stellen madig machen, was Unsinn ist.
Wie war die Reaktion auf den Brief?
Keine. Es kam nicht einmal eine Eingangsbestätigung von der Staatskanzlei, was mich sehr verwunderte, denn wir sind mit 140.000 Mitgliedern immerhin der drittgrößte Naturschutzverband. Landwirtschaftsministerin Kaniber, die einen Abdruck des Schreibens erhalten hatte, antwortete mir erst nach einigen Wochen. Sie wiegelte ab und versprach ein Gespräch, das nie zustande kam. Auch hat sie drei Jahre lang kein einziges Mal mit mir telefoniert, obwohl ich öfters darum gebeten hatte. Für mich waren das alles versteckte Zeichen, dass der Daumen über mich gesenkt wurde.
Sie hatten vor diesem Brief in einer Pressemitteilung im September 2025 hervorgehoben, dass Wirtschaftsminister Aiwanger von den Freien Wählern die Fischerprüfung bestanden hat und nun in die Familie der Fischer aufgenommen ist. Kann es sein, dass das in der CSU nicht allen gefallen hat?
Ich selbst habe kein Parteibuch. Als Präsident des Verbands bin ich parteipolitisch neutral. Der Verband ist keine Vorfeldorganisation von einer Partei, auch nicht der CSU. Aber natürlich habe ich versucht, insbesondere mit den Regierungsfraktionen CSU und Freie Wähler engen Kontakt zu pflegen. Nun, es kann schon sein, dass Minister Aiwanger realisiert hat, dass die Fischer sich politisch nicht ganz wahrgenommen fühlen. Er setzt sich mit Leidenschaft für die Fischer ein, ist da sehr authentisch. Richtig ist, dass in der damaligen Pressemitteilung über die Fischerprüfungen in Bayern auch stand, dass wir uns besonders über einen prominenten Neuzugang freuen, nämlich den stellvertretenden Ministerpräsidenten. Danach wurde mir über meinen Vizepräsidenten Willi Ruf von einem CSU-Abgeordneten signalisiert, man solle sich überlegen, ob so etwas mittelfristig politisch sinnvoll ist. Das habe ich bereits damals als indirekte Drohung interpretiert.
Nach der Rücktrittsforderung hat es etwas gedauert, bis Sie nun doch den Schlussstrich ziehen. Warum zögerten Sie?
Man ist zunächst natürlich emotional aufgewühlt. Da entpuppen sich Menschen als Gegner, denen man vertraut hat. Trotzdem wollte ich erst einmal Ruhe in die Sache bringen und klärende Gespräche mit den sieben Bezirkspräsidenten führen. Diese haben meine Einladung leider nicht angenommen.
Gehen Sie im Zorn?
Nein. Ich habe das Amt des Fischereipräsidenten sehr gerne und mit Freude ausgeübt. Es war mir eine Ehre, sich für die Fischerinnen und Fischer, für unsere Gewässer und die Fische in Bayern einsetzen zu dürfen. Ich wollte ein guter Anwalt für alle sein. Die Fischer in Bayern sind feine und anständige Menschen. Diese werde ich in bester Erinnerung behalten.