Das verschmierte Schild ist inzwischen gereinigt. © IGP
Penzberg – Penzberg dürfte die erste Kommune bundesweit sein, die am Ortseingang mit einem eigenen Schild auf Freitagsgebetszeiten in der örtlichen Moschee hinweist – zusammen mit den Tafeln für die Gottesdienstzeiten der katholischen und evangelischen Kirche. Erst am Dienstag wurde das Schild angebracht – schon in der Nacht auf Samstag wurde es von bislang unbekannten Tätern mit schwarzer Farbe besprüht. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und sucht Zeugen.
Von einem „Angriff auf unser Miteinander“ sprach der Penzberger Imam Benjamin Idriz gegenüber unserer Zeitung. Gerichtet sei sie gegen Offenheit, Religionsfreiheit, gegenseitigen Respekt und gegen ein friedliches Miteinander. Die Schmiererei sei kein Ausdruck von Meinungsfreiheit, sondern von Intoleranz, Feindseligkeit und Muslimfeindlichkeit. Es mache traurig, „weil Hass offenbar immer noch manche Herzen erreicht“, so Idriz.
Der Penzberger Bürgermeister Thomas Kopf erklärte, die Schmiererei sei „natürlich bedauerlich, aber nach den Reaktionen in den Sozialen Medien auf das Anbringen der Schilder war das fast erwartbar“. Dies zeige, „was die intoleranten Kräfte in unserer Gesellschaft bewirken“. Die Sprache verrohe zusehends, und am Ende fühlten sich wenige dazu veranlasst und geradezu legitimiert, die Grenze des Sagbaren und des Machbaren zu überschreiten. „Wer in Penzberg lebt und das friedliche und harmonische Miteinander der Kulturen und Religionsgemeinschaften erlebt, würde nicht auf die Idee kommen, diese Beschilderung negativ zu kommentieren oder gar zu beschädigen.“ Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete das Beschmieren als inakzeptabel. „Die religiöse Vielfalt gehört zu Bayern“, so Herrmann. „Sie ist Ausdruck der Freiheit und des demokratischen Selbstverständnisses unseres Landes.“WOS