München – Der, um den es ging, zog es vor, nicht zu erscheinen. Axel Bartelt, Präsident des bayerischen Landesfischereiverbands, hatte kurz vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Verbands am Samstag seinen Rücktritt verkündet. Er kam damit seiner drohenden Abberufung zuvor. „Das ist der letzte Dienst, den ich dem Verband erweisen kann“, so Bartelt in einem Interview mit unserer Zeitung.
Auf dem Nockherberg, wo sich rund 280 Mitglieder eingefunden hatten, wurde der Rücktritt des umstrittenen Präsidenten erleichtert aufgenommen. „Die Situation hatte sich in den letzten Wochen und Monaten immer weiter zugespitzt und war einfach nicht mehr tragbar“, sagt Vizepräsident Alfred Stier. „Die Auseinandersetzungen um und mit dem Präsidenten haben alle belastet“, sagt auch Maximilian Voit, Präsident des Fischereiverbands Oberbayern. „Deshalb sind wir jetzt alle froh, dass wir dieses Kapitel abschließen konnten.“
Ruhig und sachlich sei die Versammlung verlaufen, erzählt Voit. Es habe kein böses Blut gegeben, und es sei auch nicht in Richtung Bartelts nachgetreten worden. „Ich habe ihm in meiner Rede gedankt“, sagt Stier. „Trotz aller Differenzen, war ja nicht alles schlecht, was der Axel gemacht hat.“
Was auf der Versammlung aber auch eine Rolle gespielt hat, waren die schweren Vorwürfe Bartelts, die er in dem Interview mit unserer Zeitung erhoben hat. Unter anderem ging es um den Brief, in dem ihn alle sieben Bezirkspräsidenten des Verbands zum Rücktritt auffordern. Dieser Brief hatte Bartelt einen Tag nach seinem Urlaubsantritt erreicht. Nichts habe er von diesem Brief und dessen Inhalt gewusst, empörte sich Bartelt und sprach von einem „niederträchtigen und unanständigen“ Verhalten.
Dem widersprachen nun Stier und Voit entschieden. „Ich selbst habe Axel Bartelt seit Dezember angesichts der Spannungen im Verband und der wachsenden Unzufriedenheit mit seiner Führung viermal zum Rücktritt aufgefordert“, sagt Stier. „Auf der Versammlung kamen auch einige Mitarbeiter zu Wort, die berichteten, dass sie Axel Bartelt über die Existenz und den Inhalt des Briefes informiert hatten – und zwar bevor ihm dieser zugeschickt wurde“, sagt Voit. Der Präsident habe also gewusst, dass er zum Rücktritt aufgefordert werde. „Aber“, so Stier, „er wollte das wohl nicht wahrhaben.“ Ihm gegenüber habe Bartelt einen Rücktritt immer kategorisch ausgeschlossen.
Was den Vorwurf einer politischen Intrige angeht, der Bartelt glaubt, zum Opfer gefallen zu sein, winken Stier und Voit ab. „Natürlich nehmen wir selbst uns sehr wichtig“, sagt Voit augenzwinkernd. „Aber so wichtig sind wir nicht, dass sich der Ministerpräsident mit unseren Verbandsinterna beschäftigen müsste.“ „Um es klar zu sagen“, sagt Voit, „die Politik hat sich weder vor, noch während, noch danach in irgendeiner Art und Weise in die Arbeit unseres Verbands oder die Causa Bartelt eingemischt.“ Bartelt hatte sich überzeugt davon gezeigt, dass die CSU spätestens seit dem Eintritt Hubert Aiwangers von den Freien Wählern in den Landesfischereiverband Stimmung gegen ihn gemacht habe.
Beim Fischereiverband hofft man nach der Versammlung am Samstag nun auf ruhigere Tage. „Wir freuen uns darauf, zur Verbandsarbeit zurückzukehren“, sagt Stier, der den Verband bis auf Weiteres gemeinsam mit Vizepräsident Willi Ruf führen wird. Ein neuer Präsident wird im Jahr 2027 gewählt.OSS