Dem Mörder auf der Spur

von Redaktion

Toter Geschäftsmann aus Starnberg: Zweiter Verdächtiger in U-Haft

Das Opfer ist ein Geschäftsmann aus Starnberg. © privat

Der Tatort: Der Mord geschah am 15. Juli an der Motorworld in Freimann. © IMAGO/Segerer

Wohnung mit Zugspitzblick: Der mutmaßliche Mörder Azamat N. soll mit seiner Familie in diesem Mehrfamilienhaus in Garmisch-Partenkirchen gelebt haben. © Gautier

Garmisch-Partenkirchen – Der Mordfall um den 51-jährigen Wladislaw B. (Name geändert) weitet sich aus. Am Montag stellte die Polizei München in Garmisch-Partenkirchen einen zweiten Tatverdächtigen: Laut Polizeipräsidium wurde der 50-jährige Ukrainer gegen 15.30 Uhr in seiner Wohnung festgenommen. Er sitzt in Untersuchungshaft. Die Polizei führt ihn als Mittäter. Zur genauen Rolle des Mannes wollten die Ermittler aber noch nichts weiter sagen.

Damit ist klar: Im Fall des ermordeten Geschäftsmanns an der Münchner Motorworld könnte es mindestens zwei Täter geben. Der 37-jährige Kasache Azamat N. sitzt ebenfalls in Untersuchungshaft. Er soll laut Staatsanwaltschaft München I Wladislaw B. aus Habgier ermordet haben. Azamat N. war am 19. Juli in seinem Zuhause im Westen von Garmisch-Partenkirchen festgenommen worden. Wie berichtet, gehen die Ermittler der Mordkommission davon aus, dass er Wladislaw B. am 15. Juli bei einem Geschäftstreffen am PS-Tempel in Freimann getötet hat. Dann soll er die Leiche erst in den Ebersberger Forst gefahren und danach an der B2 bei Mittenwald verscharrt haben.

Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, hätte Azamat N. nach dem Mord tagelang heile Welt gespielt. Im Mehrfamilienhaus an einer ruhigen Straße in Garmisch-Partenkirchen lebte er seit etwa einem halben Jahr mit Frau, Kindern und Hunden als eine von drei Parteien zur Miete. Die Villa wurde vor einiger Zeit umgebaut – sogar eine Sauna ist im Gebäude. Im großen Garten stehen Spielgeräte für Kinder, hinten ein aufstellbarer Pool und Fitnessgeräte.

Azamat N. gab hier den braven Familienvater. Zu anderen Bewohnern in der Straße hatte er wenig Kontakt, hört man – und wenn, dann ging es schon mal um seine ständig bellenden Hunde. Schnell wird klar: Näher kannte ihn keiner aus der Straße. „Freundlich war er nicht wirklich“, sagt ein Anwohner. „Er war immer sehr nett“, sagt ein anderer.

Noch am Tag vor der Festnahme von Azamat N. fand im Garten des Anwesens eine große Party statt. Anlass war eine Geburt. Die Kinder aus der Nachbarschaft waren eingeladen, das Essen lieferte der Foodtruck eines örtlichen Sportvereins. Einen Tag später waren wieder viele Leute da – dieses Mal aber nicht zum Feiern: Fünf Mannschaftsbusse der Polizei parkten in der Straße, darunter ein Spezialeinsatzkommando. Die Elite-Polizisten nahmen Azamat N. fest. Danach durchsuchten Polizisten den Nachmittag über das Haus. „Sie haben kistenweise Sachen rausgetragen“, sagen Nachbarn. Am späten Abend ließ die Polizei laut Zeugen auch einen Tesla und einen Van vom Grundstück abschleppen. Lag in einem der Fahrzeuge die Leiche von Wladislaw B.?

Einen Tag später fand die Polizei dessen Leiche an einem Wanderparkplatz beim Barmsee. Ob Azamat N. den Ermittlern den Standort verraten hatte, will die Polizei auf Nachfrage nicht sagen. Auch nicht, ob sich der Deutsch-Kasache mittlerweile zur Sache geäußert hat.

Tesla, Van, Villa mit Zugspitzblick: Wie Azamat N. das alles bezahlte, ist unklar. Laut Firmenregistern gehört ihm eine Firma im Münchner Norden. Die hatte er 2025 in Hannover gegründet. Zweck der Firma: so ziemlich alles – von Tiefbau über Hausmeisterarbeiten bis zu Glaskabelverlegung. Aber: Die Firma hat kein Büro, keine Webseite oder Telefonnummer. Die Firmenadresse führt nur zu einem Haus mit mehr als 250 Briefkastenfirmen. Azamat N. war laut Bekannten vor rund zehn Jahren im Autogeschäft tätig, in einer Kleinstadt in Hessen. Dort schlachtete er in einer Werkstatt Autos aus und verkaufte die Einzelteile. Aber ist seine Vergangenheit auch ein Grund, warum er sich mit Wladislaw B. an der Motorworld traf?THOMAS GAUTIER

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