Stolperstart mit Klima-Daten

von Redaktion

Freistaat schaltet Dashboard scharf – Aber es gibt wenig konkrete Infos

Wasser marsch: Ein Mann erfrischt sich mit kühlem Nass aus dem Gartenschlauch. © dpa

München – Einen Klimabericht auf Papier gibt es nicht mehr – die Entbürokratisierung schlug zu. Stattdessen soll ein Dashboard im Internet nach Willen der bayerischen Staatsregierung alle relevanten Informationen zu Wetter und Klima liefern. Allerdings fließen die Daten auf dem am Donnerstag freigeschalteten Portal bisher nur sehr spärlich.

Bei der Präsentation nach der Kabinettssitzung am Starnberger See versprach Umweltminister Thorsten Glauber (FW) „ein digitales Tool“ auf höchstem Niveau: „Sie können alle Klimadaten mit dem heutigen Tag auf der Seite des Landesamts für Umwelt abrufen, Echtzeitinformationen zu Wetter und Klima.“ Wer das Dashboard anklickt, der gelangt zunächst zu einer Übersicht zu sieben Themen – von Klimaschutzmaßnahmen über CO2-Konzentration, Temperaturtrends bis hin zum Stichwort „klimaneutrale Staatsverwaltung“ reicht das Angebot. Demnach weist der Temperaturtrend wenig erstaunlich auch in Bayern nach oben: Um 2,3 Grad ist die Jahresmitteltemperatur seit 1951 im Freistaat angestiegen. Man kann auch Landkreise anklicken. So erfährt man, dass der Mittelwert im Kreis Garmisch-Partenkirchen nur um 1,9 Grad gestiegen ist, in Passau aber um 2,5 Grad. Eine Erklärung für diesen Unterschied gibt es freilich nicht.

Interessant sind Infos zu Treibhausgasemissionen nach Sektoren: Der Verkehr ist in Bayern mit 30 Prozent am Ausstoß beteiligt, dahinter folgen Gebäude (21 Prozent) und Landwirtschaft (17 Prozent). Auch hier jedoch sind weiterführende Informationen nicht zu finden. Welchen Anteil haben zum Beispiel Autos? Lkw? Diese Angaben gibt es nicht, kritisiert der Grünen-Abgeordnete Martin Stümpfig, der sich gleich nach Freischaltung am Donnerstagabend eine Stunde lang durchs Portal geklickt hat. „Die grundsätzlichen Daten sind ja gut“, sagt Stümpfig. Aber Details gebe es kaum. So vermisst er unter dem Stichwort Klimaschutzmaßnahmen im Unterpunkt „Ausbau Photovoltaikkapazitäten“ der Bayerischen Staatskanzlei konkrete Angaben. „Was dort steht, ist maximal dürftig.“ In der Tat ist hier nur zu lesen, dass „auf geeigneten Gebäuden“ im Geschäftsbereich der Staatskanzlei Photovoltaik installiert werden soll. Auf welchen und wo das schon gemacht wurde, steht dort nicht. Auch die Information zum Unterpunkt Windkraft im Staatswald ist eher spärlich. 500 Anlagen sollen errichtet werden. 104 seien in Betrieb, weitere 202 seien „vertraglich gesichert“. Wo und in welchem Stadium sich die Projekte befinden, erfährt man nicht.

Keine Infos über Flüge der Beamten

Etwas pikanter letzter Punkt: Laut Klima-Dashboard hat sich die Staatsregierung auch dazu verpflichtet, weniger Flugreisen anzutreten. Wörtlich heißt es: Beamte sollten Dienstreisen „auf das unvermeidbare Maß“ verringern, Flugreisen vermeiden sowie „bevorzugt“ auf „umweltverträglichere Verkehrsmittel“ ausweichen.“ Nur: Wie viele Flugreisen es zuletzt gab und wie viele gestrichen wurden, ist unklar. Martin Stümpfig würde auch gerne etwas zu Hubschrauberflügen des Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) erfahren. Aber das sei wohl „Geheimsache“, meint er.

Auf dpa-Nachfrage erklärt ein Ministeriumssprecher, dass sich die Datenbank noch im Aufbau befinde, es gebe derzeit nur eine „Startversion“. Immerhin: Laut Umweltminister Glauber entsteht durch die neue Internetpräsenz keinerlei Mehrarbeit. „Wir haben eine unglaubliche Menge an Daten, die wir erheben.“ Die Weiterverarbeitung erfolge automatisch, „da gibt es keinen Menschen mehr, der dort arbeitet“. Entbürokratisierung pur also. Jetzt, sagt Stümpfig, müssen die Daten halt nur noch ins neue Internetangebot fließen.DIRK WALTER

Das Dashboard im Netz:

https://klimaboard.bayern.de

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