Die Angst vor dem Zeugnis-Tag

von Redaktion

Expertin erklärt, wie Eltern reagieren sollten – und welche Hilfsangebote es gibt

Selbstbewusstsein stärken bei schlechten Noten. © dpa

München – Heute gibt es Zeugnisse – und wie jedes Jahr werden manche Kinder aus Angst vor der Reaktion ihrer Eltern mit hängenden Schultern nach Hause schleichen. Doch Druck ist kontraproduktiv, mahnt die pädagogische Leiterin des Kinderschutzbundes Bayern, Alexandra Schreiner-Hirsch. Sie gibt Eltern deshalb eine klare Empfehlung: „Brüllen, schimpfen, Strafen für Noten sollte man ebenso streichen wie materielle Belohnungen.“ Auch wenn das Zeugnis sehr gut ist, gehe es darum, den Fokus nicht nur auf die Leistung zu legen, sagt sie. „Einen Menschen macht so viel aus“, betont sie. „Da ist eine Note ein mini-kleiner Anteil.“

Deshalb solle man am Zeugnistag auch bei schlechten Noten erst mal tief durchatmen, die eigenen Emotionen zur Seite schieben und das Kind in den Arm nehmen. „Und dann einfühlen in mein Kind, denn es sind seine Noten. Mein Job als Elternteil ist zuhören, einfühlen, nachfragen, Emotionen coachen, also dem Kind helfen, mit diesen unangenehmen Gefühlen umzugehen.“ Wichtig sei die Botschaft: Du bist unser Kind, und wir lieben dich als Mensch – egal, wie die Noten sind, betont die Expertin. Wichtig sei außerdem die Frage: Was brauchst du jetzt? Ob gemeinsames Lernen, Nachhilfe, die Wiederholung der Jahrgangsstufe oder ein Schulwechsel – idealerweise hat dieses Gespräch sogar schon stattgefunden. Denn das Zeugnis sollte für Eltern wie Kinder keine Überraschung sein.

Die Expertin rät dazu, Kinder nicht miteinander zu vergleichen. „Vergleiche schüren Rivalität unter Geschwistern oder Freunden und fördern Mobbing.“ Kinder entwickeln sich unterschiedlich, das gelte auch für Fähigkeiten beim schulischen Lernen.

Wer sich Unterstützung oder Beratung zur Schulkarriere seines Kindes wünscht, kann sich an die auch Zeugnistelefon genannten Beratungsnummern der neun staatlichen Schulberatungsstellen in Bayern wenden. Wenn Eltern sich Sorgen um ihre Kinder machen, können sie auch das Elterntelefon der „Nummer gegen Kummer“ anrufen (0800/111 0550).DPA

Artikel 1 von 11