Die EMS Gmund ist da

von Redaktion

Einige Aufbauten, wie dieses Photovoltaik-Element, mussten für den Transport abgenommen werden. Gestern wurde die EMS Gmund vor Ort wieder zusammengebaut.

Ankunft am Tegernsee: Auf dem Parkplatz der Seesauna wurde die neue EMS Gmund gestern zwischengelagert. Sie zog viele neugierige Blicke auf sich. © THOMAS PLETTENBERG

Tegernsee – Sie ist da: die EMS Gmund, das erste Elektro-Motorschiff der Bayerischen Seenschifffahrt am Tegernsee. In der Nacht zum Donnerstag ist der 25 Meter lange und sechs Meter breite Koloss in der Stadt angekommen und lag zunächst auf dem Parkplatz der Seesauna vor Anker. Dort hat das Schiff gestern viele neugierige Blicke auf sich gezogen.

Der Transport nach Tegernsee war eine logistische Meisterleistung. Die EMS Gmund, mit der am Tegernsee ein neues Zeitalter anbricht, musste einen weiten Weg zurücklegen. Gebaut in der Lux Werft und Schifffahrt GmbH in Mondorf, einem Stadtteil von Niederkassel am Rhein in Nordrhein-Westfalen, wurde das Schiff zunächst auf dem Flussweg bis nach Kehlheim an der Donau verschifft. Dann ging’s auf die Straße Richtung Tegernsee. Dort kam sie nachts auf einem Schwertransporter an und wurde auf dem eigens befestigten Parkplatz an der Seesauna zwischengelagert. Am heutigen Freitag geht’s dann mit einem Spezialkran – auch der musste herangeschafft und aufgebaut werden – ins Wasser.

Stephan Herbst, Betriebsleiter der Seenschifffahrt in Tegernsee, hat alle Hände voll zu tun, damit alle weiteren Arbeiten planmäßig verlaufen. „Das Schiff wird nun erst einmal zusammengebaut. Weil das komplette Schiff für den Transport zu hoch gewesen wäre, werden sein Erdgeschoss und die Aufbauten noch zusammengefügt.“ Ist der Koloss komplett, müssten viele Tests folgen. „Außerdem müssen wir uns mit der Technik des neuen Schiffs vertraut machen“, sagt Herbst. Auf dem Schifffahrts-Gelände sei alles sei so weit vorbereitet, dass das Elektro-Schiff problemlos geladen werden könne. Mit dem Bau weiterer PV-Anlagen auf den Dachflächen der Schifffahrt sei aber noch nicht begonnen worden.

Wann es letztlich ablegt und die Gäste am Tegernsee übers Wasser befördert, ist noch offen. „Das wird noch ein wenig dauern“, sagt der Betriebsleiter.

Fest steht, dass die EMS Gmund die in die Jahre gekommene MS Gmund (Baujahr 1968) ersetzen soll. Die offizielle Inbetriebnahme werde sicherlich mit einem Festakt erfolgen, so Herbst. Fest steht auch, dass der Bau und die Anlieferung planmäßig erfolgt sind. Denn von Sommer 2026 war die Rede, als das Bayerische Finanzministerium die Auftragsvergabe an die Lux Werft seinerzeit bekanntgab.

Als Fahrgastschiff wird die alte MS Gmund also bald ausgedient haben, ihre Zukunft am Tegernsee ist dennoch gesichert. Die Monte Mare Tegernsee GmbH hat das Schiff im vergangenen Jahr erworben und wird es zum neuen Saunaschiff umbauen lassen, wie Geschäftsführer Manfred Pfeiler auf Nachfrage bestätigt. Damit werde die MS Gmund die betagte Irmingard ersetzen, die bislang im Saunahafen vor Anker liegt. „Statt einer 100-Jährigen bekommen wir nun eine wilde 68er“, sagt Pfeiler augenzwinkernd.

Bis es soweit ist und die Seesauna-Gäste in der MS Gmund zum Schwitzen Platz nehmen können, wird es allerdings noch dauern. Zunächst müsse die Übergabe seitens der Schifffahrt stattfinden, erst danach könne mit dem Umbau begonnen werden. „Das wird etwa ein Vierteljahr dauern“, meint Pfeiler. Er schätzt, dass das neue Saunaschiff ab Frühjahr nächsten Jahres für die Gäste bereitsteht. Es ist übrigens nicht nur jünger als die Irmingard, sondern bietet auch mehr Platz und durch die größeren Fenster eine bessere Aussicht.

Und was wird aus der guten alten Irmingard? Auch für ihren Ruhesitz am Tegernsee ist gesorgt. Die Gemeinde Bad Wiessee hat das Schiff gekauft. „Wir wollten ja schon die MS Bad Wiessee unbedingt haben, um sie in ihren Heimathafen zurückzuführen“, sagt Bürgermeister Robert Kühn. Dieser Handel kam bekanntlich nicht zustande, die MS Bad Wiessee ist an ihrem Standort in Tegernsee mittlerweile zu einem Wrack verfallen. Umso mehr freut es Kühn, dass sich die Gemeinde nun die Irmingard sichern konnte. Was Bad Wiessee damit vorhat, wollte Kühn gestern nicht verraten. Nur so viel: „Wir freuen uns, dass sie am See bleibt.“

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