Horst Nufer (r.) aus Bad Feilnbach. © LSC
Horst Nufer war 47 Jahre alt, als er die Diagnose Multiple Sklerose erhielt. Nach einem Sturz vor knapp vier Jahren sitzt der heute 65-Jährige im Rollstuhl. Vor zwei Jahren zog er in ein Seniorenheim in Brannenburg im Kreis Rosenheim. Seine lange Liste an Dingen, die er trotz Handicaps noch erleben möchte, im Gepäck. Konsequent arbeitet sie der einst so begeisterte Bergsportler als langjähriges Mitglied der Bergwacht Bad Feilnbach ab – mithilfe seines früheren Bergwacht- und Kletterkameraden Manfred Engelsberger, der ihn bei seinen Unternehmungen nach Kräften unterstützt.
Wenn man auf dem geplanten Weg nicht weiterkommt, muss man einen anderen Pfad einschlagen. Also halfen die Mitglieder des Luftsportclubs Schliersee Horst Nufer vor Kurzem mit den Rückewagen eines Landwirts auf den engen Sitz hinter dem Piloten in ihrem Segelflieger – und erfüllten ihm so einen Herzenswunsch. „Da kann ich mir meine geliebten Berge von oben anschauen“, erzählt Nufer. Vergangenen Sommer war er bei seinem Schwiegersohn schon Passagier im Tandem-Gleitschirm.
LSC-Fluglehrer Wolfgang Huber schraubte sich dieses Mal von Geitau mit seinem überglücklichen Passagier bis auf 2000 Meter Höhe. Und da lagen sie Nufer dann zu Füßen, seine geliebten Berge. Rotwand, Ruchenköpfe, Sudelfeld, Wendelstein – und auch sein früheres Einsatzgebiet über dem Jenbachtal. Bis zum Alpenhauptkamm reichte der Blick. Auch für Huber ein ganz besonderes Erlebnis, wie der Fluglehrer erklärt. „Wir hatten wirklich großes Glück.“ Immer wieder erkundigte er sich nach dem Befinden seines Passagiers, dessen Beine aus Sicherheitsgründen am Sitz fixiert wurden, damit sie nicht versehentlich die Steuerung blockieren. Nach 45 Minuten setzte der „Bergfalke 3“ wieder zur Landung an.
Für Nufer ein wundervoller Tag, der ihn beflügelt, auch weiterhin nicht aufzugeben. Seinen nächsten Ausflugswunsch hat er schon fest im Visier: einen weiteren Gleitschirmflug, dieses Mal hoffentlich etwas länger. Und auch sonst habe er noch einiges auf seiner To-do-Liste stehen, meint der Feilnbacher. „Das will ich noch abarbeiten, bis ich die Grätsche mache.“ An seinem Freund Manfred Engelsberger soll es nicht scheitern. Und auch nicht an vielen weiteren Helfern, wie sich nun auch beim Luftsportclub Schliersee am Geitauer Segelflugplatz gezeigt hat.SEBASTIAN GRAUVOGL