Leinen los auf der Wiesn!

von Redaktion

Bartls Flößerstadl: Baustellen-Besuch bei den neuen Oktoberfest-Wirten

Eine Visualisierung der Wiesn-Alm, die aus Tradition Bartls Flößerstadl heißt. © Schmid Kunstholzbau

Prost auf uns! Die neuen Wirte (v. li.) Klaus Bartl, Christian und Julius Erhardt. © Oliver Bodmer

München – Noch sind’s keine Krüge. Noch klirrt bei Klaus Bartl (59), Christian Erhardt (59) und dessen Sohn Julius (25) Augustiner-Flaschenbier. Egal. Prost! Denn sie sind mit dem kleinen Zelt Bartls Flößerstadl heuer erstmals Oktoberfestwirte. Bislang sieht man zwar nur ein paar Löcher im Kies und vier orangefarbene Pylonen. „Aber ich hab’ allein bei den Hüterln feuchte Augen griagt“, verrät Klaus Bartl beim Baustellenbesuch. Für den gebürtigen Münchner erfüllt sich ein Traum. Leinen los auf der Wiesn!

Erst Anfang Juli bekamen sie vom Stadtrat den Zuschlag für den Zeltplatz. Alexander Egger, Wirt der kleinen Münchner Stubn, hatte das Vertragsangebot der Stadt, wie berichtet, nicht angenommen. Das Flößerstadl-Quartett stand nach Informationen unserer Zeitung als Nächstes auf der Punkte-Liste der Stadt. Klaus Bartls Sohn Luis (22) ist auch an Bord, nur aktuell im Auslandssemester in Südafrika. „Er kümmert sich von dort aus um die Reservierungen und kommt zur Wiesn nach München“, sagt sein Vater. „Abends sind wir schon ausreserviert.“ Mittags gibt’s noch Chancen.

Die Familien Bartl und Erhardt führen den Campingplatz in Thalkirchen samt angehängter Gastro sowie den Almwirt in Haar – Klaus eher im Vordergrund, Christian mehr hinter den Kulissen. Die zwei Freunde kennen sich von ihrem früheren Job. Damals waren sie Anfang 20 und arbeiteten am Münchner Flughafen bei LTU. Auch Julius Erhardt studiert noch.

Ihre Hühnerbraterei soll als Alm mit gemütlicher Atmosphäre daherkommen. Entwürfe der Firma Schmid Kunstholzbau zeigen den Stadl grob. Nach vorn ist ein Straßenverkauf geplant, darüber an der Fassade sollen Ruder der Flößer-Familie Angermeier aus Wackersberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) montiert werden. „Die Geschichte unseres Campingplatzes ist eng mit der Flößerei verwoben“, sagt Bartl. „Unsere Terrasse liegt ja direkt an der Floßlände – und die ersten Camper waren Isar-Flößer. Das Holz für den Bau der Frauenkirche wurde über den Fluss nach München geschafft.“ Diese Tradition will er ehren und mit Schautafeln und historischen Fotos an die Bedeutung der Flößerei erinnern. „Und vor Kurzem haben wir 80 Meter Hopfen bestellt.“ Als Deko.

In 50 Tagen legen sie los, dann ist Anstich. Eine immense Herausforderung. „Aber wir erfahren große Hilfe von allen Wiesnwirten“, erzählt Klaus Bartl. „Und ohne die Unterstützung der Brauerei bei Planung, Umsetzung und Finanzierung könnten wir das auch nicht stemmen.“ In ihrer hölzernen Alm servieren Bartl und sein Team Augustiner aus dem Holzfass. Die Mass kostet in ihrem Zelt 15,70 Euro.

Mit 399 Plätzen ist der Flößerstadl ein bisserl kleiner als die Münchner Stubn (440 Plätze). Und apropos Stubn-Zelt: Deren Küchenteam brät bald im Stadl. „Darüber hab ich mit Alexander Egger auch gesprochen“, betont Bartl. Das gehöre sich so. Schmankerl im Straßenverkauf soll die g’rupfte Antn – also Ente – in der Semmel sein. Drinnen wollen die Wirte etwa mit dreierlei Geflügelbrust überzeugen. Am Montag ist Spatenstich für ihren Stadl, zwei Wochen später soll er stehen.R. MITTERMEIER, C. SCHRAMM, T. GAUTIER

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