Ein Hermes-Bote (oben) und ein Bestatter bei Schmaus.
Er legte Betrüger rein. Jetzt ist Bruno Schmaus Opfer vermeintlicher Bestellungen. © Marcus Schlaf
Pullach – Die beiden Bestatter im Anzug sind verwirrt. Sie sollen die Leiche von Bruno Schmaus abholen – doch der 79-Jährige steht vor ihnen. Quicklebendig sogar, gerade hat er die Haustür aufgemacht. Eine Szene, die die Videokamera über dem Hauseingang festgehalten hat. Es ist der 22. Juli, 18.50 Uhr – gerade hat jemand den Rentner aus Pullach (Kreis München) für tot erklärt.
Schmaus ist sicher: Der böse Streich ist eine Warnung – die Rache einer Telefonbetrügerbande. Ein paar Tage vor dem Bestatter-Besuch hatte er geholfen, einen von ihnen festnehmen zu lassen. Der 21-jährige Pole wurde am 20. Juli gefasst, der junge Mann sitzt nun in Untersuchungshaft (wir berichteten).
Schmaus legt seit Jahren Verbrecher rein. Dabei wollen sie eigentlich ihn reinlegen. Sie rufen ihn an, geben sich als Enkel oder Söhne in Not aus und versuchen, ihm sein Geld abzuluchsen – der sogenannte Enkeltrick oder Schockanruf. Es gibt tausende Opfer, die auch schon hunderttausende von Euro verloren haben. Schmaus aber dreht den Spieß um. Er spielt zum Schein mit und organisiert die Geldübergabe, bei der die Polizei dann zuschnappt. Vier Festnahmen hat er so schon ermöglicht.
Doch seit seinem letzten Coup sind die Kriminellen sauer. Und lassen ihm seitdem keine Ruhe. „Normalerweise hört man nichts mehr von ihnen. Aber jetzt habe ich täglich massiven Telefonterror.“ In den Tagen nach dem 20. Juli klingelte ununterbrochen das Telefon – immer von einer italienischen Nummer, sagt Schmaus. Am 22. Juli standen die Bestatter vor seiner Tür. „Sie meinten, mein Sohn habe angerufen, sie sollen die Leiche von Bruno Schmaus abholen“, sagt er.
Und das war erst der Anfang. Am 23. Juli gegen Mittag nahm die Videokamera einen Mann im weißen Hemd mit roter Tasche in seinem Hof auf – ein Pizzalieferant. „Dabei hatte ich nichts bestellt.“ Um 16.30 Uhr am gleichen Tag war wieder Besuch bei Schmaus. Die Kamera zeigt einen Paketboten. Er klingelt, geht ums Haus herum, geht wieder. Und um 16.49 Uhr ist wieder Alarm. „Dieses Mal kam ein Taxifahrer zum Haus gefahren. Er ging ums Haus, dann klingelte er.“ Auch den Mann hatte er nicht bestellt, berichtet Schmaus.
Zwei Tage war dann kurz Ruhe, erzählt der Rentner. Doch dann gingen die Anrufe wieder los – immer von einer deutschen Handynummer und anderen Nummern mit italienischer oder österreichischer Vorwahl. „Sie haben es nicht verkraftet, dass sie auf mich hereingefallen sind.“ Ihm mache das keine Angst. Dennoch: Die Rache der Telefonbetrüger habe eine „andere Qualität“. Deshalb geht er gerade nicht ran. „Ich denke, die wollen mich testen. Ich lasse erst mal ein Jahr vergehen, bis ich mich wieder mit so einem auseinandersetze.“THOMAS GAUTIER