Im Schlaf nach ganz Europa

von Redaktion

Neuer Nachtzug-Betreiber Nox will noch dieses Jahr ab München starten

Attraktion: die Schlaflandschaft im Nox–Double–Loft–Room. © nox Mobility (2)

Das Streckennetz von Nox ist erst mal ein vager Plan. Begonnen wird mit München–Hamburg.

Ziel erster Nox-Züge: der Hamburger Hauptbahnhof. © Martin Deja/Getty

München – Eigentlich wollen die Verantwortlichen vor der Bahnmesse Innotrans nicht viel sagen: Aber es gibt erste Präsentationen und Anmeldungen bei der DB InfraGo: Der Nachtzug-Betreiber Nox will ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2026 von München aus starten – und unter anderem den Konkurrenten ÖBB Nightjet herausfordern.

Die drei Verantwortlichen Janek Smalla, Thibault Constant und Artur Hasselbach, die früher bei Bahn-Neugründungen wie Flixtrain und Simply Railway Erfahrungen gesammelt haben, konnten bisher zwei Millionen Euro einsammeln. Das ist nicht viel, reicht aber offenbar doch für einen ersten Start. Derzeit wird ein Gebrauchtzug, Intercity-Wagen der Deutschen Bahn, zur ersten Nox-Garnitur umgebaut. Im Dezember soll es losgehen, München ist „Nox Hub“, das heißt Ausgangspunkt für alle weiteren Aktivitäten des jungen Unternehmens, das von erfahrenen Profis wie etwa Tobias Heinemann (früher Transdev-Chef, dann Konzernbeauftragter der DB) beraten wird. Erstes Ziel ist die Verbindung München–Hamburg. Später sollen weitere Ziele in ganz Europa folgen: Berlin, Mailand, Florenz, Warschau, Paris, Brüssel und Amsterdam zum Beispiel.

Mit nicht wenig Selbstbewusstsein werben die Gründer für ihre Idee: Nox soll „Europas Antwort auf Kurzstreckenflüge“ sein. Zug statt Flug also. Der Nachtzug habe den „Komfort eines Langstrecken–Business Class Flugs“, heißt es in einer Präsentation, die unserer Zeitung vorliegt. Es werde eine „Hospitality-Erfahrung auf Schienen“ geben. Es gibt Nox Rooms und eine Nox Lounge. Die Idee ist, dass der Zug in München um 21.20 Uhr abfährt und in Hamburg gegen 8.30 Uhr eintrifft. Ebenso ist es in der Gegenrichtung. Es soll nur ganz wenige Zwischenstationen geben, Augsburg vielleicht sowie Bremen oder Hannover, damit Ruhe einkehrt und die Passagiere nicht ständig aus dem Schlaf gerissen werden. „Kein Rangieren, keine Zwischenstopps, großer Fahrzeugpuffer über Nacht für Umleitungen und Vermeidung von Konflikten“, ist die Devise. Und: „Maximaler Fahrgastkomfort durch langsame Fahrt.“

Besonderen Wert legen die Nox-Gründer auf die private Atmosphäre während der Fahrt. Es soll Premium-Räume geben, in denen man vollständig für sich allein ist. Kein enges Sechser-Abteil mit wildfremden Menschen also. Stattdessen „Socialisen im eigenen Space“, so steht es wortwörtlich in der Präsentation.

ÖBB und DB – die Konkurrenz schläft nicht

Ob das Konzept aufgeht, muss man abwarten. Die Konkurrenz schläft nicht: ÖBB Nightjet ist ebenfalls zwischen München und Hamburg unterwegs. Die Deutsche Bahn lässt ihre ICE auch über Nacht fahren. Bald werden auch Italo und Flixtrain auf den Markt drängen. Der Preis könnte ein Kriterium sein – Tickets soll es bei Nox schon ab 79 Euro geben, sehr preiswert also, aber „on demand“, das heißt bei großer Nachfrage wird es wie bei der Konkurrenz auch teurer.

Näheres, vielleicht auch einen ersten Waggon, wird es auf dem Freigelände der Berliner Bahnmesse Innotrans 22./25. September geben, wo sich Nox präsentieren will.DIRK WALTER

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