Brandwächter im Dauereinsatz

von Redaktion

Andreas Lohde ist Luftbeobachter. © Privat

Aus der Luft verschaffen sich die Beobachter einen Überblick über die Brände. © NEWS5

Fürstenfeldbruck – Es ist Sonntagvormittag und in wenigen Stunden geht es wieder los. Dann wird Andreas Lohde ins Flugzeug steigen und nach Waldbränden Ausschau halten. Lohde ist seit 22 Jahren ehrenamtlicher Luftbeobachter bei der Luftrettungsstaffel Bayern am Standort Oberpfaffenhofen. Zu den Einsatzgebieten des 53-Jährigen gehören die Landkreise Fürstenfeldbruck, Dachau, Landsberg und Starnberg.

Die Regierung von Oberbayern alarmiert Luftbeobachter wie Lohde, sobald der Waldbrandgefahrenindex die höchsten Stufen erreicht. Dann sind auch offene Feuer in Wäldern, auch Daxenfeuer, verboten. Die Regierungen von Niederbayern und der Oberpfalz etwa hatten ihre Luftbeobachter das ganze Wochenende über bis heute in die Luft geschickt – „in den Nachmittagsstunden, zu den höchsten Gefährdungszeiten“, wie es heißt. Aber nicht nur der Waldbrandindex zeigt Gefahren, auch der Grasbrandindex des DWD. Bei so extremer Trockenheit kann ein auf einer Wiese geparktes Auto ein Feuer auslösen und ohnehin jeder Funke – ob nun durch eine weggeschnippte Zigarette oder ein Steinchen im Mähwerk des Bauern. Je mehr Wind, desto schneller wird‘s brenzlig.

Lohde und die sechs weiteren ehrenamtlichen Luftbeobachter haben heuer schon Ende April ihre ersten Flüge absolviert. „Das Maibaumaufstellen habe ich aus der Luft verfolgt“, erzählt er. Noch vor 15 Jahren galt die Faustregel, vor allem das Frühjahr sei brandgefährlich und damit einsatzreich. Aber: „Diese Rechnung geht seit gut zehn Jahren immer seltener auf: Das Klima hat sich so verändert, dass die Waldbrandsaison potenziell bis in den Herbst reicht. Aber heuer haben wir es obendrein mit einem absoluten Ausnahmejahr zu tun.“ Auf die erste heftige Hitzewelle Ende Juni folgte die aktuelle. Wälder, Felder und Berge sind staubtrocken. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals so oft geflogen sind wie in diesem Jahr“, sagt Lohde.

Unbeaufsichtigte Daxenfeuer und kleinere Vegetationsbrände konnte Lohde heuer öfter entdecken. Mit dem Fernglas versucht er bei diesigem Wetter Rauch vom milchig-grauen Himmel zu unterscheiden. „Gar keine leichte Aufgabe: Je nach Thermik holpert’s im Flieger wie beim Radeln über einen Feldweg. Und gute 30 Grad hat‘s im Cockpit unter dem Glasverdeck recht schnell.“

Lohde geht davon aus, dass für diese Aufgabe schon in naher Zukunft mehr und mehr Drohnen im Einsatz sein werden. „Die Bilder aus Frankreich sind apokalyptisch, aber zeigen wohl eine Art neue Realität. Wir werden künftig länderübergreifend viel besser zusammenarbeiten müssen, um so etwas Herr zu werden.“ Die Bergwaldfeuer im Chiemgau zeigen, wie enorm der Kraftaufwand der Einsatzkräfte über Tage hinweg ist: Kilometerlange Schlauchleitungen, Helikopter als Löschhilfe aus dem Nachbarland und immer wieder Einsatzabbrüche, weil es für den Einzelnen zu gefährlich ist.

Nur ein paar Tage nach Lohdes Beobachtungsflug am 1. Mai loderte im Kreuzlinger Forst bei Gauting auf 15.000 Quadratmetern einer der größten Waldbrände der vergangenen 30 Jahre. Der Starnberger Kreisbrandrat Helmut Schweickart sprach damals anfangs von einer „sehr dramatischen Lage“. Bisherige Investitionen in die Ausrüstung seien richtig gewesen, reichten aber nicht aus. Löschrucksäcke fehlten für Großeinsätze, der Landkreis plane deren Beschaffung noch für dieses Jahr. Auch leichtere Ausrüstung für den Einsatz im Unterholz sei sinnvoll, so Schweickart. Denn mit kompletter Schutzkleidung sei das Löschen dort besonders kräftezehrend.

Andreas Lohde, selbst Feuerwehrler im Kreis Fürstenfeldbruck, rüstet sein Einsatzgebiet ebenfalls schon seit einigen Jahren auf. „Für das Projekt ‚Firefighting Farmer‘ haben wir Landwirte dazu aufgerufen, Güllefässer mit besonders großem Fassungsvermögen zu registrieren. Jetzt wissen wir, wer uns im Ernstfall als mobiler Löschwassertransport unterstützen könnte“, berichtet Lohde. „Zudem braucht‘s künftig mehr Spezial-Ausrüstung: Dazu gehören tragbare Kleinlöschgeräte genauso wie Pick-ups, die im Wald wendiger sind als unsere großen Einsatzfahrzeuge.“

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